Betrachten wir verschiedene neuzeitliche Organisationsstrukturen, dann wurde die Soziokratie in den letzten 50 Jahren von einigen Unternehmen und NGOs eingesetzt. Soziokratie ist von dem lateinischen Socius für ‚Gefährte‘ oder ‚Begleiter‘ und dem altgriechischen kratia für ‚regieren‘, Macht, Stärke abgeleitet[1].

Als Vorreiter der eingesetzten Organisationsstruktur in Unternehmen ist Gerard Endenburg mit seinem Elektrotechnik-Betrieb. Dass Soziokratie heute noch ein Thema ist, zeigt das Beispiel der Firma OOSE, die Aspekte der Soziokratie zusammen mit weiteren Aspekten der Holokratie und Agilität implementiert hat [2] [3].

Die Soziokratie definiert sich aus Werten, vier Basisregeln (nach Gerard Endenburg) und Prinzipien siehe Abbildung 1.

soziokratie

Abbildung 1: Werte, Prinzipien und Basisregeln (nach Gerard Endenburg) der Soziokratie [4].

Der „Konsent“ aus den vier Basisregeln bedeutet nicht „Ja“ für einen Vorschlag sondern es gibt kein schwerwiegendes „Nein“. Ein „Nein“ muss von dem Mitbestimmenden argumentiert werden. Hierbei wird innerhalb der Abstimmung nach Lösungen gesucht, um Vorbehalte gegen das „Nein“ ausräumen zu können. Den mitbestimmenden Personen kann auch ein Vetorecht eingeräumt werden [4].

Laut Duden bedeutet der „Konsens“ übrigens Übereinstimmung der Meinung oder Zustimmung. Im Unterschied dazu steht der Begriff „Konsent“ dafür, dass keine schwerwiegenden Bedenken vorliegen [5].

Was bieten die Werte und Prinzipien der Soziokratien dem RE?

Die beschriebenen Werte und Prinzipien bieten dem RE eine grundlegende Basis sowohl innerhalb der Organisation als auch in der Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten. Hervorzuheben ist die ganzheitliche permanente Schulung, die wir in vielen Organisationen innerhalb des REs häufig vermissen.  Auch die Übernahme von Verantwortung für einzelne Anforderungen ist häufig mit Überzeugungsarbeit verbunden. Hier sieht man die Schwächen innerhalb der Organisationen, wo sich Mitarbeiter bewusst nicht mehr zutrauen wollen, da sie bereits mit Überlastung kämpfen.

Der „Konsent“ scheint eine angenehme Alternative zu langen Diskussionen zu sein, um Entscheidungen schnell herbeizuführen. Es lohnt sich sicherlich diese Art der Entscheidungsfindungen bei einigen Gelegenheiten z.B. Review von Anforderungen auszuprobieren.

Soziokratie 3.0

Die Soziokratie 3.0 [6] ist eine offene Bewegung, die die Ideen der Soziokratie weiterentwickeln und verbreiten möchte. Hierbei integriert die Soziokratie 3.0 agile Aspekte und Grundprinzipien des Lean Thinking in den Soziokratie-Ansatz. Soziokratie 3.0 baut auf einem Framework aus Pattern für die Zusammenarbeit auf. Basis hierfür sind gemeinsame Werte in einem Team und die sieben folgenden Prinzipien [7]:

–              Empirismus: Wir lernen an dem, was wir tun.

–              Konsent: Entschieden ist, wenn es keine Einwände gibt.

–              Äquivalenz: Alle haben bei Entscheidungen das gleiche Gewicht.

–              Verantwortlichkeit: Verantwortung ist klar verortet.

–              Kontinuierliche Verbesserung

–              Transparenz: Informationen für Entscheidungen sind allen zugänglich.

–              Effektivität: Ausrichtung an gemeinsamen Zielen.

Die Soziokratie 3.0 scheint die goldene Mitte zwischen der Soziokratie und anderen Organisationsstrukturen wie z.B. Holokratie zu sein, da im Gegensatz zu Holokratie und Soziokratie keine kostenpflichtigen Informationen zu beziehen sind und keine Lizenzierungskosten anfallen. Hierbei lohnt es sich sicherlich in die sieben Prinzipien einzutauchen, um Handlungen im RE zu integrieren. Mehr zu Holokratie gibt es in einem nächsten Blogartikel.

Literaturquellen:

[1] Wikipedia, „Wikipedia – Soziokratie,“ 18 März 2016. [Online], [Zugriff am Mai 2016].
[2] C. Rüther, „Skript: Soziokratie, Holokratie, Frederic Laloux “Reinventing Organizations” und…,“ 2010. [Online], [Zugriff am Mai 2016].
[3] Soziokratie Zentrum Österreich, „Soziokratie – Zentrum Österreich,“ [Online], [Zugriff am Mai 2016].
[4] C. Rüther, „Skript: Soziokratie. Ein Organisationsmodell. Grundlagen, Methoden und Praxis.,“ März 2016. [Online], [Zugriff am Mai 2016].
[5] Duden, „Duden,“ [Online], [Zugriff am Mai 2016].
[6] B. Bockelbrink, „Selbstorganisierende Teams in Soziokratie 3.0“ Tools4AgileTeams 2015, 2015. [Online],[Zugriff am 2 Juni 2016].
[7] Soziocracy 3.0,“ [Online], [Zugriff am Juni 2016].
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