Genesene, Geimpfte, Regeln und Einschränkungen: 2022 sehen wir uns hoffentlich alle persönlich auf den verschiedensten RE-Konferenzen wieder. Doch wie ist es den Events 2020/2021 in unserer Requirements Engineering-Branche ergangen? Welche Modelle haben sich ergeben und an welchen haben Sie teilgenommen? Lassen Sie uns mal darauf schauen, warum wir überhaupt Konferenzen besuchen und schließlich: Wie können wir das Beste für unser Unternehmen und uns aus dem Konferenz-Besuch ziehen? 

Neue digitale RE-Konferenz-Modelle  

Das letzte Jahr hat gerade den Unternehmen, die größere Konferenzen planen und natürlich der gesamten Eventbranche, einiges abverlangt. Ich weiß noch genau, wie wir den REConf-Newsletter am 10. März 2020, also 13 Tage vor dem Start, publiziert haben. Wir haben zu diesem Zeitpunkt noch so sehr gehofft, dass die Veranstaltung stattfinden kann. Bis dato lautete die Empfehlung der Bundesregierung, Veranstaltungen ab 1000 Teilnehmern vorsichtshalber abzusagen. Wir liegen mit der REConf ja immer zwischen 450-600 Teilnehmern. Doch die Situation änderte sich schnell und wir mussten einsehen, dass unsere liebevoll vorbereitete Netzwerk-Konferenz vor Ort in München leider keine Chance hatte. So wie uns ging es vielen Veranstaltern der Branche.

Laut AUMA und Ifo-Studie haben die Konferenz-Ausfälle bis Mai 2021 in Deutschland zu einem gesamtwirtschaftlichen Verlust von ca. 40 Milliarden Euro geführt.
Die Lösung war, die Konferenzen in den virtuellen Raum zu übertragen. Das erschien uns allen schon als eine große Herausforderung, gerade im Hinblick auf den ausgiebigen Networking-Charakter der Events.

Konferenzen in der RE-Branche

So wurde die Modern RE im Oktober 2020 als virtuelle Konferenz durchgeführt. Die Requirements Engineering- Konferenz gehört seit dem letzten Jahr zu den Softwareforen Leipzig. In diesem Jahr wird sie vom 05. bis 07. Oktober 2021 hybrid stattfinden: In Präsenz in Berlin und online.

Die re-work hat sich 2020 ebenfalls hybrid aufgestellt. Auch in diesem Jahr findet sie mit ca. 100 Teilnehmern vom 23.-24. September 2021 online und vor Ort in Berlin unter Einhaltung eines Smart Distancing & Networking Concepts statt.

Der TDSE findet vom 10.-12. November 2021 komplett online und unter dem Motto: “Systems Engineering | verstehen – anwenden – gestalten” statt. Der Event wird live aus Würzburg gesendet und eine Online-Event-Plattform eingesetzt.

Die Sophisten haben entschieden, ihre Sophist Days, die ursprünglich im Oktober 2020 stattfinden sollten, abzusagen. Auch in diesem Jahr werden sie ausfallen, denn der Fokus der Veranstaltung ist auf Präsenz gesetzt.

Auf Präsenz und ein inspirierendes persönliches Wiedersehen setzen wir mit der größten RE-Konferenz, der REConf vom 25.-27. April 2022 in München auch.  

Der SCRUMDAY, der sich mehr auf die Agilen Vorgehensweisen, als dem reinen Requirements Engineering konzentriert, wird in diesem Jahr vom 23. und 24. September als hybride Veranstaltung stattfinden. Andere Agile Konferenzen sind die Manage Agile (25.-28. Oktober 2021), die Transform to Agile (22.-24. März 2022), die Agile Beyond IT  (03.-05. Mai 2022), oder die Agile Female (voraussichtl. Juli 2022).

Diese Beispiele aus der Branche zeichnen mit ihren Ansätzen ein Bild: Online, hybrid oder warten, bis Präsenz-Veranstaltungen wieder möglich sind.

Wir haben noch eine weitere Lösung parat: Einfach aufstocken, um mit Ihnen in Verbindung zu bleiben! So haben wir neben unseren Online-BierNach4-Stammtischen mit vielen Themen, auch abseits des RE, auch einen Online-REConf-Stammtisch ins Leben gerufen. Am 15. März 2021 fiel der Startschuss. Neben drei Fachvorträgen gab es Raum zum Networking und weiteren Interaktionen in Form eines World Cafés. Nun ist es bald wieder soweit:
Wir starten am 19. Oktober 2021 von 13:30 -17:00 Uhr mit unserem kostenfreien Online-REConf-Stammtisch in die zweite Runde, also melden Sie sich gern noch an.

Anfangs hatten wir Bedenken, (siehe YouTube -Video), dass online-Interaktionen nicht ganz so gut funktionieren würden, wie die einer Präsenz-Veranstaltung. Doch diese Befürchtungen erwiesen sich nach dem ersten Online-Trainings und auch bei BN4 als unbegründet. Schließlich ergeben sich in der digitalen Version auch viele Vorteile, wie im Blogbeitrag Online- vs. Präsenz-Training nachzulesen ist.    

Warum nehmen wir überhaupt an Konferenzen teil?

Gründe für den Konferenzbesuch gibt es viele. Das startet bei neuen Eindrücken und Inspirationen und endet am Abend beim Networking an der Bar.
Fach-Konferenzen helfen dabei, die eigenen Vorgehensweisen zu überdenken, sie geben einen Anstoß zur Optimierung und helfen im besten Fall dabei, Erlerntes in die Praxis umzusetzen.
Auch können wir unser Unternehmen repräsentieren und unser Know-how und Praxis-Erkenntnisse im Requirements Engineering vorstellen.
Über die Branche und ihre Strategien auf dem Laufenden zu bleiben, ist schließlich auch keine schlechte Idee ;). Oftmals ergeben sich Inspirationen zu Schnittstellen mit anderen zukunftsträchtigen Themen.

Klar, Konferenz-Tickets kosten Geld. Aber es gibt gute Gründe, warum die Plätze auf manchen Konferenzen trotz hoher Teilnahme-Preise so rasch ausgebucht sind:

  • Sie erhalten komprimiertes Fach-Wissen.
  • Sie lernen mit den Speakern Branchengrößen kennen.
  • Sie erhalten einen Crash-Kurs in „Branchentalk“.
  • Sie werden durch Perspektivwechsel inspiriert.
  • Sie können sich und Ihr Unternehmen selbst darstellen und meinungsbildend sein.   

Wie können wir im Allgemeinen das Beste aus Konferenzen für uns selbst herausziehen? Tipps von Vorbereitung bis Nachbereitung

Eine gute Konferenz startet mit guter Vorbereitung. Grundsätzlich ist es ratsam, sich auf den Konferenztagen die Zeit gut einzuteilen und auch zu überlegen, wann Sie auch etwas entspannen können. Eine Runde Joggen oder ein Besuch im Fitness-Bereich des Hotels gibt Ihnen noch vor dem Frühstück Souveränität und gesunde Dynamik für einen erfolgreichen Konferenz-Tag.

Welche Konferenz soll es sein?

Doch zeitlich noch davor besteht die allererste Herausforderung darin, sich die passende Konferenz herauszusuchen. Es sollte diejenige sein, bei der Sie am ehesten für Ihre Arbeit profitieren können. Eine gute Frage in diesem Zusammenhang lautet: Auf welcher Konferenz macht es Sinn, mich selbst und meine Arbeit zu präsentieren?

Selbst einen Vortrag einreichen

Beim „Call for Papers“ (C4P) werden Vorträge angefragt. Halten Sie selbst einen Vortrag! Auf diese Weise können Sie Ihr Unternehmen und Ihr Thema einfließen lassen.
Reichen Sie erst einmal einen Abstract Ihres Vortrags ein, der beispielsweise auf der REConf von einem Komitee aus unabhängigen Requirements-Experten begutachtet wird. Ausgewählt zu werden, ist ehrenvoll, denn schließlich werden Thema und Aufbau von der Community als entsprechend hochwertig wahrgenommen. Für den Vortrag selbst bleiben Ihnen meist noch mehrere Monate der Vorbereitungszeit.
Bedenken Sie aber bereits bei der Konzeption: Sie sollten keinen Monolog halten, sondern Ihr Thema kurz und strukturiert vortragen und das Publikum einbinden. Zudem haben Umfragen ergeben, dass kritische Fragestellungen oder Forschungsthemen beim Publikum besser ankommen, als reine Projekt- und Toolvorstellungen. Das liegt daran, dass ein Vortrag umso besser eingeschätzt wird, je nachhaltiger er auf die Zuhörer wirkt.

Fachvorträge & Workshops zielgerichtet auswählen

Die Fachvorträge und Workshops werden meist in parallelen Slots angeboten. Hier haben Sie nun die Qual der Wahl. Was ist für Ihr Business und Ihren persönlichen Bereich besonders wertvoll? Durch welchen Workshop lohnt es sich besonders, Know-how aufzubauen? Wo können Sie sich gut in den anschließenden Diskussionen und Fragerunden einbringen?

Diskutieren Sie mit

Ob eine Diskussion besonders wertvoll ist, hängt von den Kenntnissen der Teilnehmenden ab. Sie können sich sicher sein, dass auf hochkarätigen Konferenzen Diskussionen nicht nur symbolisch angesetzt werden.
Gerade konträre Meinungen können hier sehr inspirierend sein. Oftmals macht es Sinn, die Agenda vorab in der Firma zu besprechen und sich möglicherweise sogar beraten zu lassen.

Twitterkönigin und Twitterkönig

Wenn Sie digitale Medien mögen, dann beteiligen Sie sich doch auch noch via Social Media-Posts an der Konferenz. Auf diese Weise machen Sie sich mit Ihren eigenen Eindrücken und Sichtweisen zu den verschiedenen Themen den Followern der Konferenz bekannt.  

Kontakte knüpfen und ausbauen

Daneben haben Sie Gelegenheit, sich mit den Vortragenden auszutauschen, bestehende Kontakte auszubauen und neue aufzubauen. Schließlich halten persönliche Begegnungen den Kontakt frisch und gemeinsame Erlebnisse verbinden. Vernetzen Sie sich, wenn nicht bereits auf der Konferenz geschehen, über LinkedIn oder XING. Es ist eine optimale Gelegenheit, Ihr Netzwerk effizient, zielgerichtet und kontrolliert zu erweitern.

Branchenheldinnen und Branchenhelden

Oft gibt es auf Konferenzen sehr gute Keynotes, die von bekannten Persönlichkeiten aus Branche oder Gesellschaft gehalten werden und das generelle Thema der Konferenz repräsentieren. Nutzen Sie die Möglichkeit, mit einem von ihnen ins Gespräch zu kommen.

Sorgfältig nachbereiten

Nehmen Sie sich Zeit für die Nachbereitung Ihres Konferenzbesuchs. Sie Ihre Aufzeichnungen noch einmal durch und sortieren die Ihre Notizen. Dann haben Sie sie zu einem späteren Zeitpunkt parat. Ich habe mir angewöhnt, die Firma oder zumindest mein Team kurz über meine Erlebnisse zu informieren. So binden Sie andere in Ihre Erfahrungen ein und teilen Ihr neu gewonnenes Know-how.
Falls Sie die Möglichkeit haben, nehmen Sie sich nach der Konferenz 1-2 Tage frei, um das Erlebte nachwirken zu lassen. Oft lassen wir uns leider zu schnell von „Alltag“ vereinnahmen und verpassen die Zeit zu reflektieren.

Wenn Sie sich noch über weitere allgemeine Tipps zur Konferenz-Vorbereitung informieren möchten, empfehle ich den Blogbeitrag „20 Tipps für den optimalen Konferenzbesuch„.

Ausblick

Ob wir nun wieder zurück zu den reinen Präsenz-Veranstaltungen gehen, oder in Zukunft auch die Vorteile von hybriden, oder reinen Online-Veranstaltungen nutzen werden, wird sich zeigen. Ich persönlich finde es schön, auch mal online an Veranstaltungen teilzunehmen. Durch die Zeit- und „Reisersparnis“ hätte ich eine noch größere Auswahl an spannenden Themen und Konferenzen.
Hybride Veranstaltungen sind nicht erst seit der Pandemie en vogue. Schon bei bspw. der re:publica habe ich mich gefreut, zumindest die gestreamten Keynotes vom Schreibtisch aus miterleben und in den Foren chatten zu können.
Ob bei einer Online-Veranstaltung aus der Requirements-Branche – wie bspw. bei unserem REConf-Stammtisch – , und/oder im nächsten Jahr persönlich auf unserer REConf in München – ich hoffe, dass wir uns bald treffen.
Bis dahin eine gute (Konferenz-)Zeit!