Wir alle werden älter, sowohl körperlich wie auch geistig. Dagegen lässt sich leider langfristig nicht viel ändern. Medizinisch bewiesen sind gewisse gesundheitliche „Best Practices“ zur Anwendung in unseren privaten Lebensprojekten. Ausreichend Schlaf, Sport, gesunde Ernährung und wenig Stress können den Alterungsprozess bekannterweise verlangsamen.

Aber nicht nur körperlich, sondern auch für die individuelle geistige Jugend gibt es Möglichkeiten. Soziale Kontakte, Hobbies, feste Rituale und natürlich Gehirn-Jogging liegen im Trend.

Mein ganz persönlicher Jungbrunnen gegen den geistigen Alterungsprozess entspringt direkt an meinem Arbeitsplatz als Requirements Engineer, Systemanalytiker oder UX-Designer. Ich versuche zu denken wie zu meiner Kindheit. Häufig bin ich mit Problemstellungen und Situationen konfrontiert, denen ich mit kindlicher Naivität am besten begegnen kann.

Natürlich ist der Verstand eines Heranwachsenden in Leistung und Kapazität dem Intellekt eines Erwachsenen (meistens) unterlegen. Trotzdem gibt es bestimmte Situationen, in denen Kinder einfach häufig besser sind. Solche Fälle existieren regelmäßig auch in Entwicklungsprojekten, wenn es z.B. darum geht, Entscheidungen zu hinterfragen oder eine gewisse Kreativität benötigt wird.

Fakt ist, ich muss eine Situation nicht immer unbedingt analysieren oder gar lösen, ich muss manchmal lediglich ein bisschen mit ihr „spielen“. Genau damit haben wir als „Alten“ häufig Schwierigkeiten. Zum einen ist da das rationale, auf Kausalität beruhende Problemlösen eines (jungen) Erwachsenen, das den Gedankenspielen eines Kindes gegenübersteht. Zum anderen ist das erworbene Weltwissen, das Erwachsene durch Erfahrung und Erlebnisse gesammelt haben, wesentlich ausgeprägter als bei Kindern.

Aus diesem Wissen speisen sich Überzeugungen, Werte und Prinzipien eines Menschen, aber genau dieses Wissen ist es auch, das uns in manchen Situationen behindert. Ein junger Mensch mit weniger Wissen geht offener an ein Problem heran. Wir Ausgewachsenen verknüpfen neue Erfahrungen zu voreilig mit unserem vorhandenen Wissen und verfangen uns häufig in vorschnellen Interpretationen und Schlussfolgerungen.

Die W-Fragen sind eine gute Möglichkeit, unsere Denkprozesse zu verjüngen und die Naivität und Unwissenheit aus unseren Kindertagen wieder häufiger zuzulassen. Nicht umsonst sind die W-Fragen zentraler Bestandteil des Titelsongs unserer allzeit beliebten Sesamstraße.

Auch sollten wir sie nicht nur einmal stellen, sondern wiederholt, mit dem Ziel, eine vermeintlich gute Lösung eventuell doch als schlecht zu entlarven. Meine Maßnahme gegen das Altern daher: Einfach mal wieder häufiger Kind sein.