Beyond RE ist Digital Design

Erstellt am 13 Dezember 2018
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Die gute Nachricht vorweg: Requirements Engineering ist und bleibt eine Kernkompetenz für erfolgreiche Softwareentwicklung. Aber warum ist eine neue Profession notwendig und warum kommt RE an seine Grenzen? Um dies zu verstehen, muss man etwas genauer auf Begrifflichkeiten des Digital Design schauen.


Definitionen zu Digital Design

Ich finde die folgenden Definitionen nützlich:

  • Digitization (umständlicher: Analog-Digital-Wandlung) bezeichnet die Übertragung von Information von einem analogen auf einen digitalen Träger. Ein Beispiel ist die CD. Ebenfalls zur Digitization zählt das Speichern von Daten (beispielsweise Adressen) im Computer. Prominente Beispiele für erfolgreiche Digitization sind die vielen betrieblichen Informationssysteme bei Versicherungen, Banken und anderen Unternehmen, die die Verträge und Konten der Kunden verwalten.
  • Digitalisierung bezeichnet die Übertragung von Geschäftsprozessen in ein digitales Medium. Ein Beispiel ist der Einkauf von Büchern über das Web. Hier wird das analoge Kauferlebnis in ein digitales umgewandelt. Der Käufer legt seine Bücher buchstäblich in einen digitalen Warenkorb, muss an die digitale Kasse gehen und erhält wenig später sein Buch. Voll digitalisiert ist sogar der Handel mit Musik. Hier kann ich bspw. im iTunes Store ein digitales Musikalbum kaufen und es wird direkt auf mein Smartphone übertragen.
  • Digitale Transformation bezeichnet den Wandel der Geschäftswelt und der Gesellschaft aufgrund der Auswirkungen der Einführung digitaler Technik. Ein Beispiel für den gesellschaftlichen Wandel ist die Verlagerung von Kommunikation auf soziale Netzwerke. Ein Beispiel für neue Geschäftsmodelle sind Musik-Streaming-Dienste, die für den Kunden mit einem Pauschalpreis pro Monat abgerechnet werden und die Künstler nach Anzahl konsumierter Musikstücke entlohnen.

Digitalisierung und digitale Transformation sind anders

Gastautor Dr. Kim Lauenroth, adesso AG / IREB e.V. / Bitkom AKDigital Design

Stark verkürzt kann man sagen, dass sich ein Großteil der Geschichte der Softwareentwicklung und damit auch des RE im Kontext der Digitization abgespielt hat.
Dies spiegelt sich auch in unseren Methoden und Techniken wider, denn sie fokussieren auf die Analyse und Spezifikation verstandener analoger Vorbilder, um diese in IT abzubilden.

Bei der Digitalisierung existieren zwar analoge Vorbilder,aber es ist keinesfalls sichergestellt, dass Nutzer das Digitale dem Analogen vorziehen. Beispielsweise war nicht klar, dass Nutzer den Bücherkauf im Internet dem Buchladen vorziehen. Folglich müssen digitale Prozesse nicht nur technisch gut gemacht sein, die Nutzer müssen diese auch akzeptieren. 

Digitalisierung oder digitale Transformation bedeuten neue Herausforderungen, es muss nicht Software entwickelt werden, sondern meist wird gleich ein ganzes Ökosystem gestaltet. Daher fällt Stakeholdern das Formulieren klarer Anforderungen meist schwer und RE kommt an methodische Grenzen.


Digital Design als neues Rollenideal

Es braucht eine neue Profession in der IT. Bitkom nennt sie Digital Design und hat ein Manifest veröffentlicht um Digital Design als neue Profession für die Digitalisierung zu etablieren:

Digital Design Professionals verstehen Digitalisierung als gestaltbares Material und durchdenken die Möglichkeiten und Potenziale der Technologie in Kombination mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den Bedürfnissen der Menschen. Durch diese Mischung können Digital Designer erfolgsversprechende Produktideen gemeinsam mit allen relevanten Stakeholdern erdenken und realisieren.

Und natürlich bleibt der systematische Umgang mit Anforderungen weiterhin eine Schlüsselkompetenz, denn strukturierte Anforderungen sind die Grundlage für jeden Entwicklungsprozess. Was sich verändert, ist die Art und Weise, wie wir zu den Anforderungen kommen.

Mein Vortrag auf der REConf 2019

Sie finden diese Gedanken spannend? Oder Sie sind gar nicht meiner Meinung? Dann kommen Sie doch einfach zur ReConf19 nach München. Dort motiviere ich in meinem Impulsvortrag „Beyond RE ist Digital Design“die Notwendigkeit von Digital Design, stelle sein Kompetenzspektrum vor und illustriere Anhand von Beispielen, wie Digital Design die Softwareentwicklung verändern wird – und RE trotzdem unentbehrlich bleibt.


Weiterführendes

K. Lauenroth, K. Lehn, U. Schubert, M. Trapp: Quo vadis Requirements Engineering – Bist du Gestalter, Manager oder Ingenieur? OBJEKTspektrum OnlineThemenspecialRequirements Engineering 2018. 

Dr. Kim Lauenroth leitet bei der adesso AG das Competence Center für RE und Produktgestaltung. Sein Schwerpunkt ist die strategische Gestaltung von Produkten und die Planung von Produktentwicklungsprozessen. Kim ist erster Vorsitzender des IREB e.V. Im BITKOM engagiert er sich für die Etablierung des Digital Design als Gestaltungsprofession in der Software- und Digital-Industrie.

Triablog V-Modell Teil 2: Das V Gebäude

Erstellt am 28 Februar 2018
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This entry is part 2 of 3 in the series Triablog-Vmodel

 

Entwicklung muss organisiert und strukturiert werden, das ist klar. Das V kann wohl als das Erfolgsmodell bezeichnet werden, um dieses zu tun. In Deutschland ist es aber nicht nur das standardisierte V Model XT des Bundes, es sind viele Variationen von V-Modellen, die für das Vorgehen in großen und kleinen Produktentwicklungen Pate standen.

Die Grundprinzipien, die zum V führen

Vorsprung durch Wissen – Software Quality Days

Erstellt am 31 Januar 2018
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Ich möchte diesen Artikel mit einer kleinen – aber meiner Meinung nach sehr zutreffenden – Metapher zum Thema “Wissen aneignen” einleiten:

Mit dem Aneignen von Wissen verhält es sich ähnlich wie mit dem Gedeihen einer Pflanze. Damit eine Pflanze wachsen kann, bedarf es mehrerer Komponenten (Licht, Wasser, CO2 …), die in bestimmten Mengen und Intervallen zugeführt werden müssen. Fehlt auch nur einer dieser essentiellen Bestandteile, kann diese unmöglich weiterwachsen und stirbt irgendwann.

In der Natur sind diese lebensnotwendigen Stoffe überall reichlich vorhanden, sodass die Pflanze ihre „Nahrung“ völlig selbstständig aufnehmen kann.

Hat die Pflanze hingegen weniger Glück gehabt und muss ihr tristes Dasein in einem unnatürlichen Umfeld – wie zum Beispiel einem Wohnzimmer – fristen, sieht die Situation wieder vollkommen anders aus. Damit sie sich in diesem fremden Umfeld entfalten kann, muss sich jemand ständig um das Wohl der Pflanze kümmern, da diese ansonsten langsam aber sicher vertrocknen würde.

Vielleicht hat ja der ein oder andere bereits den Hintergrund dieser kleinen Einleitung erraten? Nein?

Triablog V-Modell Teil 1: Das V entsteht

Erstellt am 31 Januar 2018
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Cycle V temps details

In diesem und den nächsten zwei Blog’s beschäftige ich mich mit dem V-Modell. Zum einen wird das eine Basis für meinen REConf2019-Workshop “Daily Build@Hardware” sein, zum anderen geht es mir auch um eine “Dekonstruktion” des Models um die Sicht für grundsätzlich andere Vorgehensweisen zu öffnen. Im ersten Teil des Triablogs will ich erst mal die historischen Wurzeln mit einer Betrachtung der Evolution des V Models erläutern. Im zweiten Teil geht es dann um die verschiedenen Umsetzungssichten, hybride Ansätze und Erweiterungen, die zu einem agilen V-Modell führen. Der finale dritte Teil diskutiert alternative Ansätze, untersucht “Revolutionäres” und “Disruptives” und wirft einen Blick auf deren Tauglichkeit für die Produktentwicklung der Zukunft.

REConf®2017- Rückblick

Erstellt am 21 September 2017
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Unsere diesjährige REConf®2017, die größte Konferenz zum Thema Requirements Engineering im deutschsprachigen Raum, fand vom 27. bis 31. März 2017 im Holiday Inn München City Center im Herzen von München statt. Wie jedes Jahr war die REConf® wieder sehr gut besucht. Neben interessanten Vorträgen und Workshops gab es für die Teilnehmer genügend Raum für Diskussionen und persönlichen Austausch mit anderen Teilnehmern, aber auch mit den Referenten.

Wie cool ist Requirements Engineering denn?

Erstellt am 15 Februar 2017
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…wahrscheinlich nicht sooooo cool, zumindest bei meiner Tochter, denn die verbindet “Anforderungen” eher mit Aussagen wie “Räum den Tisch ab!” und “Räum dein Zimmer auf!”.

Doch welchen Stellenwert hat Requirements Engineering und der Umgang mit Anforderungen heutzutage im Umfeld der Software-, Produkt- und Dienstleistungsentwicklung?

Seit vielen Jahren geben wir Kurse für Requirements Engineering und Management. Vor einigen Jahren kamen dort interessierte Systemingenieure zu uns, die merkten, dass die Spezifikation „ihres“ Systems immer komplexer wird. Sie wollten wissen,

Systems Engineering und Requirements Engineering – Gedanken aus dem Tag des Systems Engineering 2016

Erstellt am 8 November 2016
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Auch dieses Jahr war ich auf dem Tag des Systems Engineering TdSE 2016. Diesmal in Herzogenaurach, abbildung05wo es wieder viele spannende Themen gab [2]. Als Mitglied der Gesellschaft für Systems Engineering (GfSE) und als Experte für Requirements Engineering bei HOOD verfolge ich mit hohem Interesse die Entwicklung des Systems Engineering (SE) im Bezug zum Requirements Engineering (RE). Mich freut es, dass diese “zwei Gebiete” immer mehr zusammenwachsen und gemeinsam betrachtet werden.

Interview zur Entwicklung der REConf®

Erstellt am 2 Februar 2016
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Seit 15 Jahren findet jährlich in München die REConf® statt, die wichtigste Konferenz zum Requirements Engineering im deutschsprachigen Raum

Wie alles angefangen hat, wie sich die REConf® entwickelt hat und welche Weiterentwicklung die REConf® in den kommenden Jahren durchlaufen wird, erfahren Sie in diesem Interview mit Rupert Wiebel, Geschäftsführer der HOOD GmbH, dem Veranstalter der REConf®. Das Interview wird geführt von Gerhard Versteegen, Geschäftsführer der HLMC GmbH.

World Café Inspirationen – Lücken und Brücken im Requirements Engineering

Erstellt am 21 April 2015
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“Wo sind die Lücken und Brücken im Requirements Engineering?”. REConf2015 WorldCafe FLIPCHART 2Das war die Frage auf dem World Café der REConf® 2015 – mit inspirierenden Ergebnissen. Viele Themen dazu wurden von den Teilnehmern, über den Vormittag verteilt, an eine Pinnwand gehängt und am Abend auf dem World Café diskutiert. Hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse: