RE – mit oder ohne agil?

Erstellt am 20 Februar 2019
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Nun bin ich nun schon ein paar Monate als „HOODlerin“ unterwegs und habe viel über unsere Arbeit im Requirements Engineering und der Agilität erfahren. Heute widme ich mich der Frage, wie es ausschaut, wenn wir die beiden Disziplinen miteinander kombinierten. Was ändert sich also, wenn wir RE agil machten? Wird das Anforderungsmanagement besser oder „nur“ agil? Dazu habe ich meine Experten-Kollegen bei ihrer Arbeit beobachtet und befragt und teile nun mein Ergebnis ganz unverholen mit euch.

Agilität mit Coach

Agil zu werden bedeutet, laut einer Definition, sich selbst in Frage zu stellen. Im RE geht es darum die richtigen Fragen zu stellen. Das gehört für mich jetzt erstmal nicht zwangsläufig zusammen.
Weshalb Agilität in Unternehmen eingeführt wird, hat aber einen wirtschaftlichen Grund. Das Unternehmen kann sich im Ergebnis, schneller und flexibler mit seinen Produkten und Dienstleistungen den Marktbedürfnissen anpassen.

Die Einführung agiler Arbeitsweise geschieht oft durch Coaching der interdisziplinären Teams von außen. Das agile Coaching verbessert die Zusammenarbeit, die Kommunikation und gibt dem Team Methoden zur Hand, mit komplexen Aufgaben produktiv umzugehen. Gleichzeitig fördert der Coach auch ein neues, agiles Mindset in seinem Team: Regeln brechen, eigene Regeln aufstellen, ständiges Hinterfragen, freies Denken und natürlich auch freies Artikulieren der Gedanken sind dabei wichtige Bestandteile. Mit einem solchen Mindset können ganz neue Lösungen entstehen. Denn der Raum ist angstfrei und lebendig. Es herrscht Spaß und Veränderungsfreude. Die einstigen Probleme, die beispielsweise aus hierarchischen Strukturen, unzureichender Kommunikation, oder Angst, „sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen“, werden an der Wurzel gepackt.

Mit diesem neuen Mindset ändert sich beispielsweise auch die Art mit Fehlern umzugehen. Sie werden als Chance, und damit als etwas Gutes, aus dem man lernen kann, betrachtet.
Neben all den Vorteilen kann das neue Mindset allerdings im restlichen, noch nicht agilen Teil des Unternehmens, als Nachteil wahrgenommen werden: Die agilen Kollegen passen nun nicht mehr so recht in eine ansonsten hierarchische Unternehmensstruktur.

Requirements Engineering mit einem Consultant

Beim Requirements Engineering (RE) legen wir fest, welchen Anforderungen ein Produkt oder auch ein Prozess standhalten muss. Beispielsweise schaut man in der Software Entwicklung, welche Funktionen die Software in welcher Qualität haben soll. Was wünscht sich die Anwender und andere Stakeholder? Um das zu wissen, bindet man den Stakeholder früh und kontinuierlich in den Entwicklungsprozess ein. Im laufenden Prozess werden aus den anfänglichen Vermutungen der Entwickler klar dokumentierte Anforderungen. Die Chance steigt, dass die Software am Ende des Entwicklungsprozesses sowohl dem Anwender, also dem Auftraggeber, als auch dem Entwickler gefällt. Dadurch, dass die Anforderungen klar dokumentiert sind, sind alle Mitwirkenden im Bilde und Unstimmigkeiten werden schnell offensichtlich. In dem gesamten Prozess steht den Teams oft ein unterstützender externer RE Consultant zur Seite.

Anforderungen gut zu schreiben ist eine Kunst. Diese Kunst wird auch oft bei uns in den Trainings geübt. Anforderungen und Dokumentation müssen vollständig, prüfbar und widerspruchsfrei sein.

Daneben gilt es die richtigen Ermittlungstechniken wie bspw. Interviews, Fragebogen und Produktanalyse zu wählen. Passt alles, wird das Risiko für Fehlentwicklungen drastisch reduziert und führt im besten Fall, vorausgesetzt die Idee ist gut, zu einem guten Produkt.

Wie sieht nun die Mischung aus agil und RE aus?

Wenn man sich nun diese beiden Disziplinen Agile und Re ansieht ist es ganz klar: Wenn RE gut funktioniert, dann ist es wahrscheinlich meistens sogar schon agil. Es besteht ein offenes Klima, in der die Teams gut zusammenarbeiten. Denn das Geheimnis liegt, wie so oft, in der Kommunikation.

Beim agilen Arbeiten kommunizieren Entwickler- und dem Anwenderteam kontinuierlich. Tie Team prüfen täglich, hinterfragen, testen, und werfen auch mal alles um, wenn das für ein besseres Ergebnis notwendig ist. Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Dieser Spruch passt in diesem Kontext besser denn je.
Die agile Vorgehensweise und das Mindset, das dies alles möglich macht, führt am Ende zu einem besseren Produkt und einer kürzeren Produktentwicklungszeit. Das ist schließlich wieder ganz im Sinne des Unternehmens.

Also einmal RE mit agil bitte!

Veranstaltungstipp

Die perfekte Gelegenheit zum Networken in der RE-Community bietet übrigens die REConf 2019 vom 11.-15.März in München. Komm vorbei. Ein Tag oder fünf, alles ist möglich.

Was ist Empirisches Requirements Engineering?

Erstellt am 6 Februar 2019
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Als Apple das iPhone 2007 veröffentlichte, löste es eine Revolution auf dem Mobilfunkmarkt aus. Steve Jobs wurde als innovatives Genie gefeiert.

Heute haben alle Smartphones Touchscreens. Damit kann man niemanden mehr begeistern. Innovation bedeuetet, am Puls der Zeit zu bleiben. Und ein Augenmerk auf die Kundenbedürfnisse zu haben.

Genau darum geht es in der agilen Entwicklung laut Jeff Sutherland, Vater von Scrum, dem erfolgreichsten agilen Framework:

Innovation is what agile is all about.

Quelle: Embracing Agile, https://hbr.org/2016/05/embracing-agile

Kern von Scrum ist die Entwicklung in Sprints von wenigen Wochen. Am Ende des Sprints steht ein „Produkt-Inkrement“. Zum Beispiel fertig entwickelte, getestete und dokumentierte Software.

So kann das Team regelmäßig Feedback einholen. Die wichtigsten Stakeholder sind die externen Kunden. Durch das Einarbeiten ihres Feedbacks maximiert man ihre Zufriedenheit.

Empirisches Requirements Engineering heißt: Das Team vereinbart erst am Anfang des Sprints die umzusetzenden Anforderungen. Basierend auf aktuellem Wissen.

Man versucht nicht, Entwicklungsumfänge Monate im Voraus detailliert zu planen. Fachkonzepte, Lastenhefte oder Pflichtenhefte sind passé.

Stattdessen akzeptiert man, dass Anforderungen veralten. Während der Entwicklung gewinnt das Team neue Erkenntnisse über Kundenbedürfnisse. Und über die technologische Umsetzung. Details von Anforderungen werden erst kurz vor der Umsetzung festgelegt.

Empirisches Requirements Engineering: Die 3 Planungsebenen

Heißt das, man muss jede Planung aufgeben, die über einen Zwei-Wochen-Horizont hinausgeht? Nein!  Nur: je weiter man in die Zukunft plant, desto gröber wird die Planung. Dadurch wird die Planung robuster gegen Änderungen.

In der Praxis haben sich drei Planungsebenen für ein Produkt bewährt:

  • Man muss das große Ganze im Blick behalten. Eine Produktvision ist der Nordstern für die Entwicklung. Sie adressiert die Kundenbedürfnisse und gibt die Richtung vor. Sie sorgt für Motivation, als Team an einem Strang zu ziehen.
  • Die Planung der Lieferung kann mehrere Sprints umfassen. In der Softwareentwicklung wird auch von Releaseplanung gesprochen. Wichtig ist, dass man auf Details der Anforderungen weitgehend verzichtet. Eine gut geeignete Praktik ist Story Mapping.
  • Die Planung des Sprints erfolgt in Scrum mit Hilfe der Backlogs. Das Team legt die Details der Anforderungen fest. Also zum Beispiel die Akzeptanzkriterien von User Stories. Auch während des Sprints kann das Team Anforderungen noch detaillieren.

Wenn Sie mehr über Empirisches RE wissen wollen, treffen wir uns im CARS-Kurs. Mehr zur Wandlung der Märkte lesen Sie in diesem Blogbeitrag.


Aufgeschriebene Anforderungen sind oft schlecht formulierte Wünsche!

Erstellt am 31 Januar 2019
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Wer schreibt der bleibt … auf seinen Wünschen sitzen.

Mit Speed ins Requirements Engineering einsteigen

Erstellt am 23 Januar 2019
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Sie wollen fundiert, gleichzeitig tief ins Requirements Engineering einsteigen? Und das in kürzester Zeit? Oder einer Ihrer Kollegen? Dann gibt es dazu die ideale Gelegenheit auf der REConf in München: Starten Sie mit meinem neugestalteten RE-Einsteiger-WorkshopAnforderungen sind Kommunikation – RE Basics“ am 11.3.2019 nachmittags. Danach bieten sich Ihnen noch zwei weitere Tage, um hochkarätige Keynotes und Vorträge zu verschiedensten Themen des RE anzuhören, sowie sich mit Kollegen und Experten auszutauschen und zu vergnügen.

Anforderungen sind Kommunikation – RE Basics

Anforderungen sind Kommunikation

Triablog V-Modell Teil 1: Das V entsteht

Erstellt am 31 Januar 2018
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This entry is part 1 of 3 in the series Triablog-Vmodel

Cycle V temps details

In diesem und den nächsten zwei Blog’s beschäftige ich mich mit dem V-Modell. Zum einen wird das eine Basis für meinen REConf2019-Workshop „Daily Build@Hardware“ sein, zum anderen geht es mir auch um eine „Dekonstruktion“ des Models um die Sicht für grundsätzlich andere Vorgehensweisen zu öffnen. Im ersten Teil des Triablogs will ich erst mal die historischen Wurzeln mit einer Betrachtung der Evolution des V Models erläutern. Im zweiten Teil geht es dann um die verschiedenen Umsetzungssichten, hybride Ansätze und Erweiterungen, die zu einem agilen V-Modell führen. Der finale dritte Teil diskutiert alternative Ansätze, untersucht „Revolutionäres“ und „Disruptives“ und wirft einen Blick auf deren Tauglichkeit für die Produktentwicklung der Zukunft.

Kanban als Methode zum Umgang mit Änderungen im RE

Erstellt am 22 November 2017
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Beim RE kommt man nie umhin, auch über Anfragen für weitere Anforderungen zu sprechen. Hierbei geht es jedoch nicht um späte Anfragen für Änderungen nach einem Design-Freeze oder nach Serienreife, welche über ein Change-Control Board laufen, sondern um Anfragen, die bestenfalls bereits in einer frühen Entwicklungsphase berücksichtigt werden sollten. Warum ich heute über Kanban schreibe ist, dass diese Anfragen strukturiert, visualisiert, nachvollziehbar und transparent im Team dargestellt werden müssen.  Hierfür eignet sich beispielsweise Kanban. Wie stellt man also sicher, dass Entwicklungsprojekte Anfragen von Kunden umfassend dokumentieren und umsetzen?

Ziele und Nutzen des systematischen Umgangs mit Anforderungen

Erstellt am 19 Juli 2016
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Ziele von Anforderungen und Requirements EngineeringKürzlich wurde ich wieder gefragt, wie sich der Aufwand von Requirements Engineering rechtfertigen lässt. Immer noch beobachte ich, dass die Tätigkeit des „systematischen Umgangs mit Anforderungen“, dies ist eine moderne Übersetzung des englischen Begriffs „Requirements Engineering and Management“, zu wenig Akzeptanz innerhalb der Unternehmen findet. Es werden verschiedenste Gegenargumente vorgetragen: Für das Projektmanagement ist es viel zu teuer, für die Entwickler und Fachabteilungen ist es „unmotivierter Mehraufwand“ oder „Overhead für Dokumentation“, für manche agile Teams ist es „alter Hut“ und für erfahrene, gewachsene Fachabteilungen ist es „nicht notwendig, das haben wir schon immer so, ohne Anforderungen, gemacht“.

Gewiss, der systematische Umgang mit Anforderungen kostet Zeit und Geld, und der Aufwand muss adäquat an die Struktur und die Gegebenheiten der Organisation, des zu entwickelnden Produktes oder Dienstleistung angepasst werden.

Interview zur Entwicklung der REConf®

Erstellt am 2 Februar 2016
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Seit 15 Jahren findet jährlich in München die REConf® statt, die wichtigste Konferenz zum Requirements Engineering im deutschsprachigen Raum

Wie alles angefangen hat, wie sich die REConf® entwickelt hat und welche Weiterentwicklung die REConf® in den kommenden Jahren durchlaufen wird, erfahren Sie in diesem Interview mit Rupert Wiebel, Geschäftsführer der HOOD GmbH, dem Veranstalter der REConf®. Das Interview wird geführt von Gerhard Versteegen, Geschäftsführer der HLMC GmbH.

HOOD beteiligt sich am BMBF Forschungsvorhaben autoSWIFT

Erstellt am 15 Dezember 2015
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Schnellere Innovationszyklen für Elektroniksysteme entlang der Automobilwertschöpfungskette

Ist RE tot?

Erstellt am 20 Oktober 2015
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Kürzlich habe ich auf der Manage Agile 2015 in Berlin die Keynote eines namhaften Sprechers gehört, der neben einigen sehr sinnreichen Äußerungen auch die Behauptung aufgestellt hat: RE ist tot!

„Ich, RE, teile hiermit allen Interessierten mit, dass diese Nachricht über mein Ableben verfrüht ist und ich mich ausgezeichneter Gesundheit erfreue!“