Was ist „digitagil“?

Erstellt am 27 März 2019
von Schreibe einen Kommentar
Commodore SR36


„Digitagil“ setzt sich aus zwei Wörtern zusammen. Beginnen wir mit dem ersten:

Man könnte die Marktflutung mit Taschenrechnern und Digitaluhren in den 1970er Jahren als Beginn der Digitalisierung begreifen. Die aus dem Schutt und der Asche der Weltkriege zu „Pflugscharen“ umgemünzten digitaltechnischen Halbleitertechnologien begannen ihren zivilen Siegeszug.
Mit ihnen entwickelte sich auch die Softwaretechnik. Auch die Softwarelösungen wurden immer anspruchsvoller.

Die militaristisch geprägte Kultur

Leider waren aber auch Organisation- und Vorgehensmodelle eng mit militärisch geprägter Befehlskultur gekoppelt, bzw. sind es zumindest teilweise noch heute.
Natürlich machen bei Unfällen, Feuern und Katastropheneinsätzen, wie eben im Krieg, strenge und geregelte Vorgehensweisen Sinn. Sie helfen bei der Bewältigung und Eindämmung der Auswirkungen.
Dass man aber bei Unternehmensaufbau, Firmenführung und der Organisation von Projekten auf diese Muster setzte, ist wohl eher einer unreflektierten Kulturprägung zuzuschreiben. Die damit erkaufte Effektivität rechtfertigt den Verlust an menschlichen Werten nicht.

Ethische digitale Menschen

Glücklicherweise schwingt mit der zivilen Nutzung der Digitaltechnik auch immer mehr eine humane und zivile Gestaltung der Zusammenarbeit mit. Das agile Manifest ist sozusagen einer der vielen Meilensteine auf diesem Weg.
Der moderne nativ „digitale“ Mensch hat wohl auch immer mehr den Anspruch, das die von ihm genutzten Lösungen von zivil zusammenarbeitenden Menschen geschaffen werden. Die ethische Seite einer Produkterstellung spielt doch eine Rolle und lässt im Extremfall selbst das preisgünstigste Produkt im Regal stehen.

Agile Steuerung und Hinrichtungs-Exempel

Was für Fleisch-, Milch und Obstwaren gilt, können wir auch für Software in Betracht ziehen. Natürlich müssen wir das subtiler betrachten.
Man findet bei Software Entwicklern eher gut bezahlte Ingenieure und akademisch ausgebildetes Personal, denn entrechtete Lohnsklaven, die für einen Hungerlohn pflücken oder schlachten.

Trotzdem sind manchmal Code-Experten in „militärisch“ strukturierten Organisationen die unterste ausführende Schicht, bzw. werden als Fremdkräfte oder Dienstleister mit schlechter Lobby, von einer unteren Management-Schicht „gesteuert“.
Selbst die Steuerung wird auch gerne als Dienstleistung, manchmal als „agile“, ausgelagert. Leider kann das hin und wieder ein Nährboden für Mobbing und Hinrichtungsexempel für in Ungnade gefallene Mitarbeiter sein. Diese exklusiv denkende Management-Schule tut sich aber immer schwerer, da Inklusion und aktives Einbeziehen aller Stakeholder heute das Gebot der Stunde ist.

Das Werk während der Entstehung begutachten

Tatsächlich ernten Unternehmen, die man im William E.Schneider Unternehmens-Kultur-Modell wohl als Kontroll-Kultur, mit angehängter Kompetenz-Unterkultur, begreifen kann, bei der Anwendung „agiler“ Scrum Techniken die niedrig hängenden Früchte.
Sie müssen sich selbst „zwingen“ frühe System-Stände zu verlangen. Die Schmerzgrenze ist aber schnell erreicht. Beispielsweise dann, wenn man ultra-beschäftigte Manager im Unternehmen damit zu „nerven“ beginnt, sie sollten das „Werk“ schon mal während der Entstehung begutachten.
Old School-Manager lassen sich nur bei Grundsteinlegung und Eröffnung feiern. Das laufende Geschäft lässt anderes nicht zu.

Leider muss man auch sagen, dass diese Unternehmen gut daran tun, nicht von heute auf morgen die Kulturrevolution auszurufen. Im Buch von William E. Schneider lassen sich einige Schauergeschichten dazu nachlesen.

Der Servant Leader und das Mitarbeiterwohl

Trotzdem kann man den Weg wagen, oder sich gut informieren bevor man sich bindet. Denn mit wem und wo man arbeitet, ist für viele auch der Schlüssel zu Wohlbefinden und Gesundheit. Die „Servant Leader“ sind aber nur spärlich gestreut. Unternehmen die das Mitarbeiterwohl als höchstes Ziel nicht nur definieren, sondern durch das gesamte Kollegiat leben, gibt es auch nicht so viele.

Der digitagile Mensch wird folgende Messlatte anwenden und kritisch hinterfragen. Für die Unternehmens-Umgestaltung kann es als Leitlinie stehen:

Für „digitagile“ Code Crafter ist natürlich der schnellste Check, ob man bei der richtigen Firma ist, immer die Frage, wann der Chef den letzten Commit gemacht hat 😉

RE – mit oder ohne agil?

Erstellt am 20 Februar 2019
von Schreibe einen Kommentar

Nun bin ich nun schon ein paar Monate als „HOODlerin“ unterwegs und habe viel über unsere Arbeit im Requirements Engineering und der Agilität erfahren. Heute widme ich mich der Frage, wie es ausschaut, wenn wir die beiden Disziplinen miteinander kombinieren. Was ändert sich also, wenn wir RE agil machten? Wird das Anforderungsmanagement besser oder „nur“ agil? Dazu habe ich meine Experten-Kollegen bei ihrer Arbeit beobachtet und befragt, und teile nun mein Ergebnis ganz unverholen mit euch.

Agilität mit Coach

Agil zu werden bedeutet, laut einer Definition, sich selbst in Frage zu stellen. Im RE geht es darum die richtigen Fragen zu stellen. Das gehört für mich jetzt erstmal nicht zwangsläufig zusammen.
Weshalb Agilität in Unternehmen eingeführt wird, hat aber einen wirtschaftlichen Grund. Das Unternehmen kann sich im Ergebnis schneller und flexibler mit seinen Produkten und Dienstleistungen den Marktbedürfnissen anpassen.

Die Einführung agiler Arbeitsweisen geschieht oft durch Coaching der interdisziplinären Teams von außen. Das agile Coaching verbessert die Zusammenarbeit, die Kommunikation und gibt dem Team Methoden zur Hand, mit komplexen Aufgaben produktiv umzugehen. Gleichzeitig fördert der Coach auch ein neues, agiles Mindset in seinem Team: Regeln brechen, eigene Regeln aufstellen, ständiges Hinterfragen, freies Denken und natürlich auch freies Artikulieren der Gedanken sind dabei wichtige Bestandteile. Mit einem solchen Mindset können ganz neue Lösungen entstehen. Denn der Raum ist angstfrei und lebendig. Es herrscht Spaß und Veränderungsfreude. Die einstigen Probleme, die beispielsweise aus hierarchischen Strukturen, unzureichender Kommunikation, oder Angst, „sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen“ stammen, werden an der Wurzel gepackt.

Mit diesem neuen Mindset ändert sich beispielsweise auch die Art mit Fehlern umzugehen. Sie werden als Chance, und damit als etwas Gutes, aus dem man lernen kann, betrachtet.
Neben all den Vorteilen kann das neue Mindset allerdings im restlichen, noch nicht agilen Teil des Unternehmens, als Nachteil wahrgenommen werden: Die agilen Kollegen passen nun nicht mehr so recht in eine ansonsten hierarchische Unternehmensstruktur.

Requirements Engineering mit einem Consultant

Beim Requirements Engineering (RE) legen wir fest, welchen Anforderungen ein Produkt oder auch ein Prozess standhalten muss. Beispielsweise schaut man in der Software Entwicklung, welche Funktionen die Software in welcher Qualität haben soll. Was wünschen sich die Anwender und andere Stakeholder? Um das zu wissen, bindet man den Stakeholder früh und kontinuierlich in den Entwicklungsprozess ein. Im laufenden Prozess werden aus den anfänglichen Vermutungen der Entwickler klar dokumentierte Anforderungen. Die Chance steigt, dass die Software am Ende des Entwicklungsprozesses sowohl dem Anwender, also dem Auftraggeber, als auch dem Entwickler gefällt. Dadurch, dass die Anforderungen klar dokumentiert sind, sind alle Mitwirkenden im Bilde und Unstimmigkeiten werden schnell offensichtlich. In dem gesamten Prozess steht den Teams oft ein unterstützender externer RE Consultant zur Seite.

Anforderungen gut zu schreiben ist eine Kunst. Diese Kunst wird auch oft bei uns in den Trainings geübt. Anforderungen und Dokumentation müssen vollständig, prüfbar und widerspruchsfrei sein.

Daneben gilt es die richtigen Ermittlungstechniken wie bspw. Interviews, Fragebogen und Produktanalyse zu wählen. Passt alles, wird das Risiko für Fehlentwicklungen drastisch reduziert und führt im besten Fall, vorausgesetzt die Idee ist gut, zu einem guten Produkt.

Wie sieht nun die Mischung aus agil und RE aus?

Wenn man sich nun diese beiden Disziplinen Agile und RE ansieht ist es ganz klar: Wenn RE gut funktioniert, dann ist es wahrscheinlich meistens sogar schon agil. Es besteht ein offenes Klima, in der die Teams gut zusammenarbeiten. Denn das Geheimnis liegt, wie so oft, in der Kommunikation.

Beim agilen Arbeiten kommunizieren Entwickler- und das Anwenderteam kontinuierlich. Die Teams prüfen täglich, hinterfragen, testen, und werfen auch mal alles um, wenn das für ein besseres Ergebnis notwendig ist. Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Dieser Spruch passt in diesem Kontext besser denn je.
Die agile Vorgehensweise und das Mindset, das dies alles möglich macht, führt am Ende zu einem besseren Produkt und einer kürzeren Produktentwicklungszeit. Das ist schließlich wieder ganz im Sinne des Unternehmens.

Also einmal RE mit agil bitte!

Veranstaltungstipp

Die perfekte Gelegenheit zum Networken in der RE-Community bietet übrigens die REConf 2019 vom 11.-15.März in München. Komm vorbei. Ein Tag oder fünf, alles ist möglich.

Starting Agile Development of Systems – The Top 5 Questions

Erstellt am 15 Januar 2019
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There is an increasing interest in developing hardware and systems in an agile way. In October 2018, the participants of the Agile Systems Conference in Munich (ASK) discussed some of the most interesting questions within an Open Space.

Agile Development of Hardware and Systems

Agile Systems Engineering (agile SE) is a hot topic in the development community. One the one hand, many people doubt if agile development is possible not only for software but also for hardware and systems. On the other hand, companies like WIKISPEED, SAAB, MAGURA, BLUNK Electronic etc. already build cars, aircrafts, e-mobility components and printed circuit boards in an agile way and with great success.

Open Space Results

The ASK offered an Open Space to discuss questions and topics of participants. The following top 5 questions were discussed. The results reflect approaches when starting agile SE:

Daily Build@Hardware – Workshop – Rückblick auf die ASK 2018

Erstellt am 11 Dezember 2018
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This entry is part 2 of 2 in the series Hardware Scrum

Neue Brücken bauen und alte Brücken umsichtig abbauen – so auch die Devise bei der agilen Systementwicklung. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:BAB3-Talbr%C3%BCcke-Heidingsfeld-02.jpg

Wir von HOOD haben in diesem Jahr bereits das zweite Mal infolge zu unserer Agile Systems Konferenz – kurz ASK in München eingeladen. Neben interessanten Keynotes nehmen unsere Workshops einen wichtigen Teil der Konferenz ein. Der Workshop über den ich heute berichte, heißt „Daily Build@Hardware“.
Wir haben einen Nachmittag lang komplett spielerisch Entwicklungsmodelle erkundet. Der Output konnte sich sehen lassen: Wir bauten Lego-Autos und Papierfliegermodelle am laufenden Band. Doch unsere Modelle hatten einen schweren Stand. Schließlich mussten sie sich den schwierigsten Anforderungen und Testabläufen stellen.

Agiles Coaching und Leadership (4/4)

Erstellt am 5 Dezember 2018
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Veränderung und Stabilität. Zwei Schlagwörter, die die Meisten nicht im gleichen Satz verwenden würden. Dazu haben wir uns im Rahmen einer Vernissage die Frage gestellt: Wie wird in Organisationen mit dem Bedürfnis nach Stabilität und Veränderung umgegangen? Wandel und Veränderung wird oft von Unsicherheit begleitet. Vertrauen und Mut müssen durch Kooperation, Solidarität und Hilfsbereitschaft gestärkt werden.

Wir haben erkannt, dass nachhaltige Veränderung nur mit dem passenden Verhalten der Menschen funktioniert. In den Prinzipien, Werten und dem Mindset sehen wir die essenziellen Bausteine für „Agiles Coaching“. Beim Thema Leadership sollten aus unserem Verständnis die Führungskräfte vor allem die Verantwortung abgeben, bedingungslose Transparenz schaffen, und Autonomie von ihren Teams einfordern. Fangen wir zunächst mit den Bausteinen des agilen Coachings an.

Synergien mal anders – Jazz enables Change

Erstellt am 27 November 2018
von Schreibe einen Kommentar

Autor Frank Stöckel (ganz rechts) mit der Jazzband „Ease of Jazz“

Ideen oder Inspirationen aus anderen Disziplinen im eigenen Kontext zu nutzen, gibt es als Konzept schon lange. Wenn daraus Synergien entstehen, können alle voneinander lernen. So lernt beispielsweise die Automobilindustrie von der Raumfahrt, die Gentechnologie von der Informatik, die Medizin von den Maschinenbauern. Die Liste der Beispiele ist lang. In diesem Beitrag geben wir euch schon mal einen Einblick auf unseren Vortrag auf der REConf 2019 mit dem Thema „Jazz enables Change“.

New Work und agiles Arbeiten

Erstellt am 25 Oktober 2018
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Innovative Personal Management-Ansätze wie flexible Arbeitszeiten und Ortsunabhängigkeit verändern derzeit die Arbeitswelt vieler Arbeitnehmer. Welche Vorteile ergeben sich daraus?

 
New Work und agiles Arbeiten sind Begriffe, die ich in letzter Zeit häufiger höre. Das hat zugegebenermaßen auch damit zu tun, dass ich vor Kurzem bei HOOD Group im Marketing angefangen habe, aber nicht nur. Innovative Management-Ansätze wie flexible Arbeitszeiten und Ortsunabhängigkeit verändern derzeit auch die Arbeitswelt vieler meiner Freunde. Lasst uns doch einfach mal schauen, welche Vorteile sich daraus ergeben.

Teams & Wozu Agil? (3/4)

Erstellt am 11 September 2018
von Schreibe einen Kommentar

Veränderung und Stabilität.

Zwei Schlagwörter, die die Meisten nicht im gleichen Satz verwenden würden. Dazu haben wir uns im Rahmen einer Vernissage die Frage gestellt: „Wie wird in Organisationen mit dem Bedürfnis nach Stabilität und Veränderung umgegangen?“ Wandel und Veränderung werden oft von Unsicherheit begleitet. Vertrauen und Mut müssen durch Kooperation, Solidarität und Hilfsbereitschaft gestärkt werden.

Eine Frage der Haltung & Ziele und Visionen (2/4)

Erstellt am 4 September 2018
von Schreibe einen Kommentar

Veränderung und Stabilität.

Zwei Schlagwörter, die die Meisten nicht im gleichen Satz verwenden würden. Dazu haben wir uns im Rahmen einer Vernissage die Frage gestellt: „Wie wird in Organisationen mit dem Bedürfnis nach Stabilität und Veränderung umgegangen?“ Wandel und Veränderung werden oft von Unsicherheit begleitet. Vertrauen und Mut müssen durch Kooperation, Solidarität und Hilfsbereitschaft gestärkt werden.

Eine Frage der Haltung

Spannungsfeld der Veränderung und Stabilität in Organisationen (1/4)

Erstellt am 27 August 2018
von Schreibe einen Kommentar

Veränderung und Stabilität.

Zwei Schlagwörter, die die Meisten nicht im gleichen Satz verwenden würden. Dazu haben wir uns im Rahmen einer Vernissage die Frage gestellt: „Wie wird in Organisationen mit dem Bedürfnis nach Stabilität und Veränderung umgegangen?“ Wandel und Veränderung werden oft von Unsicherheit begleitet. 

Eine Frage der Haltung