This entry is part 3 of 7 in the series Vernissage zur agilen Transformation
Thomas Kladoura und Florian Engel präsentieren das Ausstellungsstück „Agile Leadership“, bzw.“Agile Führung“.

Wie und wo findet eigentlich Führung in einem komplexen Umfeld statt? Auf dem Weg zu einer agilen Organisation stellt sich diese spannende Frage.
Antworten darauf zu finden ist weder einfach noch eindeutig. Weder einfach noch eindeutig – dies hat uns bei der Gestaltung des Kunstobjektes für die Vernissage 2019 geleitet. Dabei war unser Ziel Perspektiven anzubieten, zur Diskussion einladen und dabei neue Impulse zu setzen.

Es folgen hierzu die Themen Führung, Selbstorganisation, Vertrauen und Veränderung.

Im Scrum Guide findet man u.a. die Aussage „Scrum-Teams sind selbstorganisierend und interdisziplinär. Selbstorganisierende Teams entscheiden selbst, wie sie ihre Arbeit erledigen, anstatt dieses durch andere Personen außerhalb des Teams vorgegeben zu bekommen.“

Soweit so gut. Doch auch Selbstorganisation braucht Führung.
Bei der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema spiegeln sich neben hilfreicher Literatur zum Thema Führung (u.a. Selbstorganisation braucht Führung von B.Gloger/ D.Rösner) auch unsere eigenen langjährige Erfahrungen aus der Arbeit mit und für Teams.

Eins vorweg, wir denken auch, dass Selbstorganisation Führung braucht. Eine andere Art der Führung, getragen von einer andere Haltung und einen positiven Menschenbild (Lesetipp: Manifest für menschliche Führung von Marcus Raitner). Und eine andere Art im Sinne von WER übernimmt Führung und WO findet sie statt.

Weg von der Führungskraft hin zum Team

Soll Selbstorganisation gelingen, macht die gedankliche Sprung Weg von der Führungskraft, deren Aufgabe die Führung ist und andere Folge zu leisten haben. Weg von – ok, doch wohin? Weg von der Führungskraft hin zur FÜHRUNGSARBEIT. Das Denken in Führungsarbeit ermöglicht über Führungsaufgaben und Delegation von Führungsaufgaben nachzudenken und zu verändern.

Selbstorganisation braucht Entwicklung statt Selbstüberlassung

Thomas Kladoura:
„Es gilt Entwicklungswege zu ermöglichen.“

Findet eine Verlagerung der Führungsarbeit statt, muss auf der einen Seite jemand Führung abgeben WOLLEN. Und auf der anderen Seite muss man die dadurch verbundene Verantwortung annehmen WOLLEN. Liegt die Bereitschaft zur Veränderung auf beiden Seiten vor, braucht es nur „noch“ das KÖNNEN – auf beiden Seiten ein Lern- bzw. Befähigungsprozess, der unseres Erachtens zu begleiten ist. Es gilt einen Entwicklungsweg für das Team und einzelne mit einer Balance zwischen Autonomie und Kompetenzen zu ermöglichen. Sonst sind wir schnell bei Selbstüberlassung mit einhergehender Überforderung eines einzelnen oder des gesamten Teams.

Vertrauen ermöglicht viel – ohne, wird es schwer

Wenn Führungsarbeit mehr im Team stattfindet und weniger bei einer Führungskraft, braucht es Vertrauen seitens der Führungskraft in das Team. Doch auch Zutrauen seitens des Teams, diese Verantwortung auch tragen zu können. Vertrauen ist der Schmierstoff, der verteilte Führungsarbeit ermöglicht. Lassen Sie uns den Begriff noch weiter untersuchen:

– Vertrauen wird gegeben – oft auch als Vorschuss statt es durch Zusammenarbeit langsam wachsen zu lassen.
– Gegebenes Vertrauen muss immer wieder auf‘s Neue bestätigt werden, sonst kann es verloren gehen.
– Anstelle von blindem Vertrauen braucht es gesundes Vertrauen. – Gesundes Vertrauen orientiert sich an den Fähigkeiten (können) und Möglichkeiten (dürfen).
– Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit sind die kleinen Schwestern des Vertrauens und helfen Vertrauen schenken zu können.

Ist dieses Vertrauen und die Bereitschaft Führung abzugeben und anzunehmen auf beiden Seiten da, dann kann der Wandel zur Führungsarbeit als Lernprozess, als gemeinsamer Gestaltungsprozess erfolgen. Er wird idealerweise bedarfsorientiert durch Dritte unterstützt.

Neue Führung in digitalen Zeiten entstehen lassen

Am Ende denken wir, dass die Entwicklung einer neuen Art der Führung in digitalen Zeiten auch ein Teil einer agilen Transformation sein sollte. Deshalb dieses Thema und dieses Kunstobjekt auf der Vernissage, dass den Kopf als zentrales Organ für das Umdenken zeigt. Auch die Hände als Zeichen für neues Führungshandel und verteilte Führungsarbeit sind sichtbar. Was nicht sichtbar ist, doch was es für sinnhaftes Denken und Handeln braucht, ist das Herz.

Das Herz steht als Organ für den Mut, neue Führungsarbeit mit:

– Mehr Führung auf Augenhöhe und weniger Vorgesetzte und Unterordnung
– Mit mehr „Führung Kraft Kompetenz“ und weniger „Führung Kraft Amtes“
– Mit mehr Vertrauen und Commitment und weniger Anweisung und Kontrolle

Series Navigation