• Triablog V-Modell Teil 1: Das V entsteht

Cycle V temps details

In diesem und den nächsten zwei Blog’s beschäftige ich mich mit dem V-Model. Zum einen wird das eine Basis für meinen REConf2018-Workshop “Daily Build@Hardware” sein, zum anderen geht es mir auch um eine “Dekonstruktion” des Models um die Sicht für grundsätzlich andere Vorgehensweisen zu öffnen. Im ersten Teil des Triablogs will ich erst mal die historischen Wurzeln mit einer Betrachtung der Evolution des V Models erläutern. Im zweiten Teil geht es dann um die verschiedenen Umsetzungssichten, hybride Ansätze und Erweiterungen, die zu einem agilen V-Modell führen. Der finale dritte Teil diskutiert alternative Ansätze, untersucht “Revolutionäres” und “Disruptives” und wirft einen Blick auf deren Tauglichkeit für die Produktentwicklung der Zukunft.

V-Modell

Beginnen wir mit einem berühmten Satz:

The greatest improvement in the productive powers of labour, and the greater part of the skill, dexterity, and judgment with which it is anywhere directed, or applied, seem to have been the effect of the division of labour.

Adam Smith leitet mit dieser Ansicht sein Werk “Wealth of Nations” ein. Der schottische Gelehrte beschäftigte sich in dieser Studie hauptsächlich mit der Optimierung der Produktion von Verkaufs-Gütern. Gute Arbeitsteilung hat aber nicht nur den Herstellern von Verkaufsgütern Reichtum beschert, arbeitsteilig organisierte Bürokratie und Armeen haben in der Geschichte schon seit den ersten Hochkulturen dazu beigetragen, ganze Imperien entstehen zu lassen.

Das Arbeitsteilungsprinzip ist wohl tief in unseren Genen verankert, gute Arbeitsteilung setzt sich in der Regel durch und wird mit höherer Produktivität belohnt.

Das Jahr 1776 in demModel V das Smith Werk entstand und veröffentlicht wurde, lag in der Epoche der Dampfmaschinen. Diese hauptsächlich aus ca. 10 einfacheren Komponenten bestehenden Systeme waren leicht von einer kompetenten Person konstruierbar. Auf die Idee diese Konstruktionstätigkeit durch Arbeitsteilung zu optimieren, kam da natürlich auch Adam Smith nicht.

Wirklich komplexe Produktdesigns, die nicht mehr von Einzelnen in Gesamtheit und Detail über- und durchblickt werden konnten, kamen mit der Erfindung der Rechen- und SpeichermasSystems Engineering Process IIchinen in die Technologiegeschichte der Menschheit. 1968 sprach man dann schon von der Softwarekrise, die im Kern ein Organisationsproblem adressierte. Das war in der vorhergehenden Geschichte der Menschheit eine seltene Problemstellung, stellt sich aber heute als ein Kernproblem für Industrienationen dar. Architektonischer Sachverstand und abwicklungsorganisatorisches Geschick waren keine seltenen Forderungen mehr, egal in welchen konstruktiven Domänen man sich bewegte.

Vom “Software Krise”Zeitpunkt an spannt sich nun schon ein längerer Weg, auf dem Bennington, Dijkstra ,Boehm, deMarco, Brooks, Parnas, Fagan, Royce und viele weitere mitgeholfen haben das Management vor allem großer Softwaresysteme zu verbessern.

Aber auch bei Konstrukteuren der mechanischen und elektrotechnischen Disziplinen waren Zeichnungskünste und Ausrüstungs-verbesserungen, die z.B. CAD mit sich brachte, auch nicht immer ausreichend um einen einzigen Konstruktionshelden ein A380 Flugzeug entwickeln lassen zu können.  Auch in diesem Bereich mussten Prozesse heranreifen um viele Entwicklungsingenieure so zu koordinieren, um am Ende des Tages ein funktionstüchtiges Flugzeug bauen zu können.

Und obwohl gerade die Konstrukteurs-Gemeinde Entwicklungsprozessen gegenüber oft die Kritik äußert,  die Kreativität zu vermindern, kann man am Beispiel des Vergleichs der zwei Richtlinien VDI2220 und VDI2206 sehen, dass der Trend zum V-Modell geht. Die Arbeitsteilung ist mit dem V-Modell im R&D nicht ans Ende angelangt, es wird ständig am Model selber optimiert, umgestellt, erweitert und neu ausprobiert. Mit neuen Methoden, die durch heutige entwicklungstechnische Gegebenheiten möglich sind, können wir die Arbeitsteilung in der Entwicklung neu denken und neu strukturieren. Wir müssen es sogar, denn ökologische Gesichtspunkte und technologische Möglichkeiten spannen einen neuen Anforderungsrahmen.

Im REConf2018-Workshop werden wir uns diesen Anforderungen stellen, und uns über neue arbeitsteilige Prozesse Gedanken machen. Wir machen kleine Miniprojekte und Prozesssimulationen um unser Gefühl für die notwendigen Prozessdesigns zu schärfen.

Systems Engineering Process rus

Mark Twain erinnert uns daran, dass wir uns der Realität anpassen müssen, diese passt sich uns nur selten an.

It ain’t what you don‘t know that gets you into trouble. It’s what you know for sure that just ain’t so. (Mark Twain)