“Elisabeth Jerichau-Baumann [Public domain], via Wikimedia Commons; (Brothers Grimm)”

Mir wurde einmal folgende Story zugetragen:

Eine junge Frau wurde von einer renommierten Automobilfirma als Entwicklerin eingestellt. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie sich schwer tat. Die versierten Kollegen, die das komplexe Software Code System überschauten, sprachen abfällig über sie. Der Chef der Abteilung erkannte, dass doch noch etwas mehr Fortbildung nötig wäre. Sie wurde in ein Kursprogramm eines sehr bekannten Bildungsinstituts geschickt, dort von erfahrenen Meistern des Fachs unterrichtet.
Nach der Ausbildungsreihe kam es zum Mitarbeitergespräch. Auf Nachfrage, was die Mitarbeiterin den nun „mitgenommen hätte“, erwiderte sie: „Zufällig waren viele Hundebesitzer in den Seminaren, und da hat sie viel über Hunde gelernt“. Der Chef war etwas irritiert über diese Antwort. Er ärgerte sich ein wenig über die Fortbildungseinrichtung, suchte rasch nach einem besseren Kursprogramm für die Mitarbeiterin und sendete sie auf ein 4-wöchiges Intensivprogramm, welches von einem bekannten Buchautor und Konferenzsprecher durchgeführt wurde. Wieder zurück schwärmte die Mitarbeiterin nur von dem fantastischen ornithologischen Wissen, das der Agil-Guru anscheinend so nebenbei zum Besten gab. Der Chef zeigte nun offen seinen Ärger über die Mitarbeiterin. Er gab ihr noch eine letzte Chance. Es wurden teure Seminare in den USA bei den Top-Vertretern der Kunst der Softwareentwicklung gebucht. Zurück von der USA-Tour, schneite die Mitarbeiterin begeistert bei ihrem Chef im Büro vorbei. „Chef, es war fantastisch. Ich wusste gar nicht, dass man in den Staaten so viel über Kröten und Lurche lernen kann.“. Jetzt verlor der Chef die Nerven. Es folgte eine fristlose Kündigung, und hätten nicht Kollegen für sie eingestanden, so hätte sie mit einer vernichtenden Beurteilung von dannen ziehen müssen.

Nach dem Umzug in eine andere Stadt, kam schon der nächste Job für die Frau. Ein größeres IT-Softwarehaus hatte ein massiv problematisches Projekt. Dieses hatte sozusagen schon viele Kräfte verschlungen, und es gab bereits Kündigungen von Mitarbeitern, die sich in diesem Projekt „verheizt“ sahen. Der Frau wurde die Projektleitung übergeben. Der Kunde, ein als kauzig bekannter Produktionsleiter und sein Team, mochten die neue Projektleiterin auf Anhieb. Sie verstand es, die gewichtigen Probleme mit dem Kunden gemeinsam aus dem Weg zu rollen. Später hörte man, dass sie sogar am Sonntag zusammen mit ihren Hunden spazieren gingen. Das Projekt wurde sehr erfolgreich, das Produkt die „Cash Cow“ des IT-Unternehmens.

Nach weiteren Jahren, in denen die Frau sehr erfolgreich als Product Owner agierte, meldete sich ein Bekannter aus den USA. Mit ihm teilte sie ihr damals entdecktes Interesse für Lurche. Er lud sie zu einem Top-IT-Event im Silicon Valley ein. Auf der Konferenz angelangt, bei der sie einen Workshop halten wollte, kam ihr der Buchautor, ihr damaliger Lehrer entgegen. Bei ihrer Unterhaltung ging es vor allem um das plötzliche Ausbleiben des Keynote Speaker und der Suche nach Ersatz. Alle erwarteten einen adäquaten Ersatz. Völlig unerwartet kam die Konferenzleitung auf die Frau zu, da sich doch ihr Workshop um gerade das derzeit nachgefragteste Thema drehte, und sie von anderen empfohlen wurde, ob sie da nicht einspringen könnte.

Der Vortrag machte sie über Nacht berühmt. Es folgten Bücher und viele Auftritte, auch der Umzug ins Valley. Heute wird sie als die Päpstin bezeichnet, wenn es um ihr Fachgebiet „User Stories“ geht.