Dr. Heinrich Arnold und Marc Wagner schreiben in ihrem Artikel in der Huffington Post warum es eine neue Form von Unternehmensberater benötigt. Darin beschreiben Sie, dass die „klassische“ strategische Beratung vor allem auf dem erkennen von Mustern basiert, welche in Form von Blaupausen bei der Ausrichtung des nächsten Kunden Anwendung finden. Mittels Benchmarks oder Best-Practices werden die Optimierungsmöglichkeiten herausgearbeitet. Dieses Vorgehen sehen die beiden Autoren als nicht mehr zielführend in einer radikalen (disruptiven) Veränderung, wie es eine digitale oder agile Transformation ohne Frage ist. Vor allem der Blick in die Vergangenheit durch das erfahrungsbasierte Vorgehen hat hier an Bedeutung verloren.

Doch ist diese Wahrnehmung wirklich die Ursache oder nur das Problem?

Die digitale Transformation benötigt andere Beratung als das Überstülpen von Blaupausen auf ein System oder eine Organisation. Aber reicht es aus, die Vorgehensweise von Beratungsunternehmen zu verändern oder müssen wir grundsätzlich umdenken? Ist das Verlangen nach einem Experten, der einem „Sagt-wie-es-geht“, nicht auch ein Problem? Oder noch einen Schritt zurückgetreten – ist die Angst der Menschen vor der Ungewissheit und das Festhalten an bekannten Mustern nicht die eigentliche Ursache?

Verlust mit Unwissenheit umzugehen

Seit unserer Kindheit geht es um das Lernen von Wissen. Und es gibt immer einen „Experten“, der uns das fehlende Wissen beibringt. Wissen wird oft als Macht wahrgenommen und verhindert vielmals den Dialog auf Augenhöhe, in dem die Beteiligten gemeinsam eine für sie akzeptable Lösung herausfinden können und diese dann ausprobieren. Wir verlernen immer mehr den Umgang mit dem „Nicht-Wissen“. Mit dem Umgang Dinge auszuprobieren und selbst Wissen und Erfahrungen Schritt für Schritt aufzubauen.

Genau diese Fähigkeit wird nun von uns im Zuge der digitalen oder agilen Transformation verlangt. Um der Komplexität der Veränderung Herr zu werden, müssen wir in der Lage sein, mittels „Inspect“ und „Adapt“ neues Wissen zu entwickeln. Wissen, das nicht auf einem vorhandenen Denkmuster basiert. Dieses Wissen hat ihre Gültigkeit nur innerhalb unseres Systems oder Organisation. Blaupausen, Benchmarks oder Expertenwissen helfen uns hier nicht weiter.

Lernen von „Nicht-Wissen“

Ricardo Semler erzählt in seinem TED Talk unter anderem über das Schulsystem, das er erfunden hat, welches neben „How do we mesaure ourself“ und „How do we express ourself“ auch Raum für „Everything we don’t know“ lässt. In dem es neben Wissensvermittlung auch den Platz gibt mit dem „Nicht-Wissen“ umzugehen. Durch die Diskussion von philosophischen Fragen über Liebe, Tod oder den Sinn des Lebens lernen die Schüler, dass es nicht immer nur eine Antwort gibt und finden selbst für sie passende Antworten. Außerdem definieren die Schüler die Regeln für ihre Schule, die sie mittels „Inspect“ und „Adapt“ verfeinern.

Mechanisches Denken verhindert die Herausforderungen der Zukunft zu gestalten

Nora Bateson fordert dieses radikale Umdenken in ihrem Interview mit Jennifer Campbell für das „Systemic Leadership Summit“. Darin erklärt sie unter anderem, dass unser mechanisches Denken basierend auf Ursache und Wirkung, uns alleine nicht mehr für die Herausforderungen der Zukunft helfen wird. Wir schauen durch diese „mechanische Brille“ auf die Welt und wundern uns, warum unser Handeln nicht zu den von uns erwünschten Ergebnissen führt. Sie fordert uns auf, den Fokus auf die Beziehungen und den größeren Kontext zu legen.

Fazit

Die digitale oder agile Transformation verlangt von uns ein Umdenken. Um in einem Umfeld mit radikalen (disruptiven) Veränderungen seine Transformation gestalten zu können, müssen wir lernen, Schritt für Schritt neues Wissens mittels „Inspect“ und „Adapt“ aufzubauen. Die Ungewissheit, die der Blick nach vorne mit sich bringt, müssen wir aushalten. Wir müssen uns bewusst werden, dass unser bisheriges Denken und Wissen nicht mehr alleine ausreicht. Wir müssen lernen unseren Fokus auf die Beziehungen und den größeren Kontext zu legen. Nur so sind wir in der Lage der Komplexität der Veränderungen zu begegnen und diese sinnvoll zu gestalten.

Ich würde mich freuen wenn Ihr auf der Beyond Agile mit mir über diese Denkanstöße diskutieren würdet.