Komplexe Fahrzeugfunktionen wie das autonome Fahren, Car2Car-Kommunikation und Fahrerassistenzfunktionen stellen die Automobilindustrie vor neue Herausforderungen.

Das vom BMBF geförderte Projekt autoSWIFT setzt sich mit der Frage auseinander, wie schnellere Innovationszyklen für Elektroniksysteme entlang der Automobilwertschöpfungskette realisiert werden können [1]. Hierbei erforschen wir mit den Konsortialpartnern eine Vorgehensweise im Requirements Engineering (RE), um das Projektziel wirksam zu unterstützen. Kern dieser Vorgehensweise sind agile Praktiken und Praktiken des traditionellen RE. Die validierten Praktiken der neuen RE-Vorgehensweise werden als Handlungsempfehlungen für zukünftige Projekte katalogisiert [2] und in einem Wiki verfügbar gemacht.

Aus Sicht der Automobilindustrie wurden auf dem diesjährigen edaWorkshop 2016 die folgenden Herausforderungen für das Requirements Engineering genannt [3]:

  1. Wie kann ein durchgängiges Requirements Engineering entlang der Wertschöpfungskette realisiert werden?
  2. Wie kann eine durchgängige Werkzeugkette erreicht werden?
  3. Wie kann die Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette verbessert werden?
  4. Wie können die richtigen Anforderungen identifiziert werden?

RE-Vorgehensweise im Projekt autoSWIFT

Die neue RE-Vorgehensweise wird iterativ und inkrementell entwickelt. Unsere Hypothese lautet:

„Durch konsequenten Einsatz von Requirements Engineering und agilen Praktiken kann der Innovationszyklus entlang der Wertschöpfungskette in der Automobilindustrie signifikant verkürzt werden.“ [4]

autoSWIFT Entwicklungsprinzip RE-Vorgehensweise

Entwicklungsprinzip der RE-Vorgehensweise [5]

Für diese neue RE-Vorgehensweise sollen geeignete wertorientierte Praktiken für autoSWIFT identifiziert, analysiert und validiert werden.

Gehen wir von der untersuchten Praktik aus, werden wir zunächst die Frage nach dem Einfluss der Praktik auf die Zielerreichung durchleuchten. Ein weiterer Schritt ist die Analyse, wo in der Wertschöpfungskette diese Praktik wirken kann und abschließend wird die Wirkung der Praktik validiert.

Einfluss der Praktik:

Um die Frage nach dem Wirkprinzip der Praktik auf die Zielerreichung beantworten zu können, haben wir die Werte und Prinzipien des agilen Manifests [6] betrachtet. Das Manifest listet vier Wertepaare auf und gibt mit zwölf Prinzipien eine Anleitung zu deren Berücksichtigung im Projektalltag einer Software-Entwicklung. Das agile Manifest ist für uns eine wertvolle Grundlage für die weiteren Schritte in autoSWIFT. Aus diesem Grund haben wir aus den Wertepaaren und Prinzipien zwölf Hebel abgeleitet. Ein Hebel beschreibt eine generelle Maßnahme, die die in der Entwicklung gelebten Werte im Sinne der Wertepaare des agilen Manifests beeinflusst.

Kasten

Über die abgeleiteten zwölf Hebel aus dem agilen Manifest werden wir analysieren, ob eine Verkürzung der Innovationszyklen in autoSWIFT erreicht werden kann.

HebelZugehörigeWerte-Prinzipien

Beispiele für identifizierte Hebel und zugehörige Werte und Prinzipien [5]

Analyse des Wertstroms:

Damit eine Praktik sinnvoll eingesetzt werden kann, müssen wir wissen an welchen Stellen der Wertschöpfungskette Defizite existieren. Es ist geplant auf Basis der identifizierten Hebel eine Analyse der Wertschöpfungskette bei unseren Konsortialpartnern durchzuführen. Bei dieser Art von Analyse werden Aktivitäten der Wertschöpfungskette sowohl wertstiftend als auch nicht-wertstiftend kontinuierlich durchleuchtet, bewertet und Verbesserungspotentiale identifiziert.

Validierung der Praktiken:

Die Validierung der Praktiken wird im Sinne einer empirischen Prozesssteuerung erfolgen. Hierbei werden geeignete Praktiken für einen Einsatz in autoSWIFT vorgeschlagen, angewendet, die Wirkung evaluiert und die Praktik verbessert.

autoSWIFT Validierung der Praktik

Validierung der Wirkung einer Praktik [5]

In den nächsten Monaten werden wir weitere Ergebnisse über den Fortschritt unserer Arbeit berichten. Ein weiterer Überblick bietet die Projektseite von autoSWIFT [2].

Literaturverzeichnis

[1]    M. Eberhardt, „HOOD beteiligt sich am BMBF Forschungsvorhaben autoSWIFT,“ [Online]. Available: HOOD Blog [Zugriff am 06 2016].
[2]    edacentrum, „Projektseite autoSWIFT,“ [Online]. Available: Projektseite autoSWIFT [Zugriff am 22 02 2016].
[3]    edaWorkshop 2016, „Edacentrum,“ [Online]. Available: Edacentrum [Zugriff am 11 05 2016].
[4]    M. Eberhardt, „Teilvorhabensbeschreibung autoSWIFT – Requirements Engineering (HOOD)“.
[5]    M. Eberhardt, „RE-Vorgehensweise autoSWIFT, M3.1.4-Q02-HOOD,“ 22.02.2016.
[6]    K. Beck und et al., „Manifest für Agile Softwareentwicklung,“ 2001. [Online]. Available: Manifest für Agile Softwareentwicklung [Zugriff am 11 12 2015].

HOOD beteiligt sich am BMBF Forschungsvorhaben autoSWIFT