Was macht gute agile Teams aus? Nach meiner Erfahrung spielen vor allem folgende Faktoren dabei eine entscheidende Rolle:

  • die Größe des Teams,
  • die Möglichkeit, den Goldstandard der Kommunikation zu nutzen, die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht,
  • die gute Mischung der Fähigkeiten (cross functional team) und
  • die Stabilität über einen längeren Zeitraum.

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Die Größe des Teams ist dabei wohl der entscheidende Faktor. Dies wird auch durch eine zunehmende Zahl von Studien belegt.

Einige dieser Studien wurden von QSM durchgeführt (z.B. Top Performing Projects Use Small Teams – top-performing-projects-use-small-teams). Dabei wurden bei einer Studie 564 Projekte untersucht, mit dem Ergebnis, dass, bezogen auf eine genormte Projektgröße, große Teams (20 Mitglieder oder mehr) im Durchschnitt 8,92 Monate zur Fertigstellung benötigten, kleine Teams (bis zu 5 Teammitglieder) 9,12 Monate. Die großen Teams waren also nur unwesentlich schneller als die kleinen, mit 4-mal so vielen Teammitgliedern.

Die Produktivität des Einzelnen sinkt offenbar, wenn die Teamgröße steigt, zumindest ab einem bestimmten Schwellenwert (vielleicht Millers Zahl 7 +/- 2?). Dieses Phänomen wurde auch in Studien belegt und hat sogar einen eigenen Namen: der Ringelmann Effekt. Ringelmann hat nachgewiesen, dass hauptsächlich zwei Effekte für den Rückgang der Produktivität verantwortlich sind: Motivationsverlust und Koordinationsprobleme. Letzteres liegt darin begründet, dass die Anzahl der Kommunikationskanäle exponentiell ansteigt, wenn die Anzahl der Teammitglieder zunimmt. Bei einem 5-er Team sind es 10 Kommunikationskanäle, bei einem 20-er Team schon 190 (n(n-1)/2). Der Motivationsverlust hängt damit zusammen, dass es bei großen Teams viel einfacher ist, sich hinter Kollegen zu verstecken.

Amazon folgt dem Konzept „2 Pizza Team“ – wenn man ein Team nicht mehr mit 2 Pizzen satt bekommt, dann ist es Zeit, es in kleinere Teams aufzuteilen (wobei man bedenken muss, dass amerikanische Pizzen einen guten Teil größer sind als ihre europäischen Kolleginnen).

Millers Zahl (7 +/- 2) macht also offensichtlich wirklich sehr viel Sinn, wobei ich selbst sogar eher zu 7 – 2 tendiere. Ich halte regelmäßig Trainings, in denen ich viele Gruppenübungen durchführen lasse. Und auch hier kann ich beobachten, dass kleine Gruppen (3-4) praktisch immer schneller mit den Aufgaben fertig sind als größere Gruppen (5-6).

SW-Entwicklung ist komplex, es ist Wissensarbeit, d.h. sie lebt von Kommunikation und Zusammenarbeit, und hier sind kleine Teams deutlich produktiver.

Also: die Teamgröße ist wichtig, sehr wichtig sogar!