Seit 15 Jahren findet jährlich in München die REConf® statt, die wichtigste Konferenz zum Requirements Engineering im deutschsprachigen Raum

Wie alles angefangen hat, wie sich die REConf® entwickelt hat und welche Weiterentwicklung die REConf® in den kommenden Jahren durchlaufen wird, erfahren Sie in diesem Interview mit Rupert Wiebel, Geschäftsführer der HOOD GmbH, dem Veranstalter der REConf®. Das Interview wird geführt von Gerhard Versteegen, Geschäftsführer der HLMC GmbH.

Herr Wiebel, seit mittlerweile 15 Jahren gibt es die REConf®, erzählen Sie uns bitte, wie alles angefangen hat.

REconf 2015 am 17.3 und 18.3. 2015 im Hotel Dolce Munich Unterschlei§heimDie HOOD GmbH hat seit ihrer Gründung einen eindeutigen Fokus auf das Thema Anforderungsmanagement gelegt. Die Initialzündung, eine Konferenz zu dem Thema ins Leben zu rufen, war, dass wir festgestellt haben, dass ein großer Bedarf an Erfahrungsaustausch unserer Kunden besteht. Der Teilnehmerkreis der ersten Veranstaltung vor 15 Jahren war hauptsächlich von den Vertretern der Luft- und Raumfahrt sowie der Automobilbranche geprägt. Über die Jahre hinweg hat sich dieser Kreis stark verändert und Teilnehmer aus vielen verschiedenen Branchen besuchen die REConf®.

Wie erklären Sie sich die Tatsache, dass die REConf® mittlerweile branchenübergreifend Teilnehmer gewinnt?

Ein professionelles Anforderungsmanagement ist nicht nur in der Automobilbranche, in der strenge Vorgaben an das Qualitätsmanagement und die Softwareentwicklung gestellt werden, unabdingbar. Auch in der Medizintechnik gibt es regulierte Bereiche in der Anforderungsmanagement eine große Rolle spielt. Diese Branchen sind seit beginn an auf der Konferenz vertreten. Der Erfolg, den diese Unternehmen durch die Einführung eines professionellen Anforderungsmanagements hatten, beflügelte ebenfalls Unternehmen aus anderen Bereichen, sich mit der Thematik zu beschäftigen. Mittlerweile gibt es kaum eine Branche, in der sich Anforderungsmanagement nicht etabliert hat, daher hat sich die REConf® zu einer Konferenz für jeden Fachbereich entwickelt.

Wenn Sie den Werkzeugmarkt betrachten, inwieweit hat sich dieser seit der ersten REConf® verändert?

REconf 2015 am 17.3 und 18.3. 2015 im Hotel Dolce Munich Unterschlei§heimDer Werkzeugmarkt hat in den letzten 15 Jahren einen großen Wandel durchlebt. Die einzelnen Produkte haben sich den Gegebenheiten des Marktes anpassen müssen – sei es der immer größer werdenden Verteilung der Teams oder auch der Berücksichtigung
neuer Erkenntnisse im Anforderungsmanagement. Vor ca. 10 Jahren hat es eine ganze Welle an Aufkäufen bzw. Übernahmen in diesem Markt gegeben, was wiederum zu Reibungsverlusten geführt hat. Mittlerweile hat sich diesbezüglich aber eine gewisse “Beruhigung” eingestellt.

In den letzten Jahren, haben sich internetbasierte Werkzeuge auf dem Markt etablieren können. Wiederum andere Toolhersteller konnten mit den Anforderungen dieses Bereiches nicht mehr Schritt halten und haben die Entwicklung eingestellt. Festzuhalten
bleibt, dass der Werkzeugmarkt, der durch ein standardisiertes Austauschformat von
Werkzeugen richtig an Schwung gewonnen hat, sehr spannend ist. Ich gehe davon aus, dass in den nächsten Jahren weitere Werkzeuge kommen werden.

Rückblickend auf die letzten Jahre der Konferenz, was sind die wesentlichen Faktoren, die den Erfolg der REConf® ausmachen?

In den vergangenen Jahren hat sich die Teilnehmerzahl sowie die Anzahl der Unternehmen, welche Ihr Produkt präsentieren, um ein vielfaches erhöht.
Die REConf® ist für einen Großteil der Teilnehmer zu einem festen Bestandteil im jährlichen Fortbildungsprogramm geworden, welche die Konferenz bereits zum 9. oder 10. Mal besuchen. Kern der Konferenz ist es, dass sich Gleichgesinnte treffen, Kontakte knüpfen, sich unterhalten und Erfahrungen austauschen. Der Nutzen für die Teilnehmer besteht darin, nicht nur durch die Vorträge neue Inspiration zu erhalten, sondern auch Wissen untereinander zu kommunizieren und validieren.

Am Vorabend der Konferenz bieten wir, seit einigen Jahren, den Wissenschaftstrack an, in welchem die Teilnehmer einen Einblick über die Entwicklung in der Forschung erhalten und mit den Vertretern direkt in Kontakt treten können.

Ebenfalls von Bedeutung ist, dass die REConf® nicht nur “Profis” adressiert. Wir bieten sowohl Vorträge für Einsteiger, als auch einen Einführungsworkshop am Vortag der Konferenz an, in welchem die wesentlichen Grundlagen des Anforderungsmanagements vermittelt werden. Der bereits angesprochene Toolaspekt spielt eine große Rolle. Werkzeughersteller wissen, dass das “Who is Who” des Anforderungsmanagements auf der REConf® vertreten ist und nutzen die Konferenz als Präsentationsplattform.

Mittlerweile hat sich die Veranstaltung weltweit etablieren können, was die Unternehmen aus Europa, den USA und Asien vor Ort zeigen. Letztendlich ist entscheidend, dass wir seit 2003 mit der HLMC Events GmbH eine professionelle Agentur engagiert haben, die sich sowohl um die Sponsoren und Aussteller, als auch um die vollständige organisatorische Abwicklung der Konferenz kümmert. Damit können wir, als Veranstalter, den Fokus auf die hohe Qualität der fachlichen Inhalte legen.

Das Thema Agilität ist mittlerweile in aller Munde und hat sich von einem Hype zum Mainstream gewandelt. Wie geht die REConf® mit der Thematik “agiles Anforderungsmanagement” um und wie wird diese auf der Konferenz dargestellt?

REconf 2015 am 17.3 und 18.3. 2015 im Hotel Dolce Munich Unterschlei§heimSicherlich hat sich gerade in den letzten Jahren Agilität einen enormen Stellenwert erarbeitet. Immer mehr Unternehmen versuchen ihre Prozesse agil zu gestalten, um die erforderliche Flexibilität ihren Kunden gegenüber sichern zu können. Demzufolge beschäftigt sich natürlich nicht nur die REConf®, sondern auch die HOOD GmbH intensiv mit dieser Thematik. Auf der REConf® 2016 gibt es einen eigenen Track zum Thema „agiles Anforderungsmanagement”, der sicherlich große Aufmerksamkeit erhalten wird.

Andererseits können Unternehmen agile Methoden nicht von heute auf morgen einführen. Um agile Denkweise zu implementieren ist ein langwieriger und aufwändiger Prozess des Umdenkens aller Beteiligten notwendig. Ferner will eine Vielzahl von Unternehmen auch gar nicht diesen Weg gehen. Daher wird nach wie vor das “traditionelle” Anforderungsmanagement bei der REConf® ein fester Bestandteil sein.

Highlight der REConf® 2016 ist neben den Keynotes sicherlich auch das Expert Panel, das mit der Thematik: “RE ist out, es lebe Design Thinking!?” für viel Gesprächsstoff sorgen wird. Was erwarten Sie sich als Ergebnis?

Es ist immer eine Herausforderung, für eine Expertenrunde ein Thema mit klarem Fokus zu finden, damit eine Diskussion mit konträren Meinungen aufkommt und sich polarisierende Aussagen ergeben. Oft besteht die Gefahr, dass ein Kreis von Experten zusammen sitzt, die eigentlich alle einer Meinung sind. Mit unserem Expert Panel haben wir eine Thematik gefunden, die dem Anspruch der Konferenz gerecht wird. Das Expert Panel wird kein konkretes Ergebnis liefern wie: “Wir machen jetzt nur noch Design Thinking” oder “Design Thinking taugt doch nichts”. Ich erwarte mir eher, dass Wege aufgezeigt werden, wie ein “Nebenher” oder “Miteinander” sinnvoll umgesetzt werden kann.

Besonders wichtig ist, dass wir zusammen mit den Referenten des Experts Panels am nächsten Tag ein World Café anbieten, in dem die Ergebnisse vertieft werden. Fragestellungen, die sich in der Diskussion ergeben haben, werden hier näher betrachtet.

Herr Wiebel, wie können wir uns die Zukunft der REConf® vorstellen? Was planen Sie in den nächsten Jahren?

REconf 2015 am 17.3 und 18.3. 2015 im Hotel Dolce Munich Unterschlei§heimDie REConf® wird immer einen eindeutigen Fokus auf das Thema Anforderungsmanagement haben. Wir werden die Augen nach Randgebieten, in denen Anforderungsmanagement eine Rolle spielt oder spielen wird, offen halten. Gerade bei der immer enger werdenden Verknüpfung von Systemen und Software (Stichwort Industrie 4.0 oder Internet of Things) vervielfachen sich die Anforderungen, so dass die Komplexität enorm steigt. Zusammenfassend ist zu sagen, die REConf® wird immer up to date sein. Der Standort München und Zeitpunkt März sowie das Konzept werden in den nächsten Jahren absolut konstant bleiben.