streit_nlTreffen sich Horst und Malte und lesen folgenden Text:

Benötigen wir für unsere Kommunikation und Zusammenarbeit, für Transparenz und Wertschätzung und für den Informationsaustausch eigentlich IT-Werkzeuge? Wir können ohne die vielen Tools doch persönlich in Kontakt treten, uns in die Augen sehen und beobachten wie die Körpersprache unseres Gegenübers ist.

Ganz klar nein, auf die IT kann man gut verzichten. Die raubt uns nur Zeit und Nerven ohne einen echten Mehrwert zu erzeugen. Sie verhindert oft sogar, dass in Teams persönlich kommuniziert wird, weil sie Raum für persönliche Distanz und Abgrenzung schafft und dieses schlechte Verhalten damit noch verstärkt.

So ein Blödsinn, natürlich brauchen wir die Werkzeuge für unsere Zusammenarbeit, ohne geht es gar nicht mehr. Es müssen nur die richtigen Tools sein, dann kann man getrost die Steinzeit verlassen. Und mal ehrlich, auf Augenkontakt und Körpersprache kann ich bei manchen Kollegen, gerade am Montagmorgen, gerne verzichten.

Ja ja, typisch Außenseiter. Sich so gut es geht hinter dem Monitor verstecken, immer die Türen geschlossen halten und ja nicht den Blick vom Smartphone nach oben richten – was bei vielen geschlossenen Türen hoffentlich auch mal so richtig weh tut. Wozu auch die Kollegen am Morgen persönlich grüßen, das geht doch elektronisch viel besser. Einfach das Messagingtool starten, damit dann jeder sehen kann, dass „Pumpernickel“ online ist und dann ein Moin* an die gesamte Gruppe posten und fertig.

Laber Laber. Lieber so, als Jedem ein Gespräch ans Bein zu binden und Interesse vorzuheucheln. Small Talk heißt das ja. Darauf gebe ich nichts, das ist reine Zeitverschwendung und am Ende wird der Buschfunk nur befeuert. Gerüchte streuen und über die Anderen lästern, das geht halt am besten mündlich. Transparente und nachvollziehbare Kommunikation, dafür stehen die Tools. Wir müssen dafür unsere Medienkompetenz ausbauen. Nur so ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den Werkzeugen möglich.

Medienkompetenz, dass ich nicht lache. Was wir brauchen ist eine Kommunikations- und Wertekompetenz. Wir müssen wieder lernen miteinander zu reden, anstatt gegeneinander zu schreiben. Die ganzen Plausch Gruppen (chat groups), Gesichtsbücher (facebook), die singenden Vögel (twitter), das „Was ist los“ (whatsapp) und selbst dieser Blog hier zeigt doch das Ausmaß dieser kommunikativen Fehlentwicklung. Hunderte, tausende, ja millionen Freunde und Verehrer – wie muss ich mir das vorstellen? Was sind das für Freundschaften? Und wer die meisten von diesen Freunden hat und wer von diesen Freunden die meisten „gemocht“ (like) wird, ist dann der Platzhirsch/Kuh! Wie gestört sind wir denn Alle, dass sich solche Werte immer mehr durchsetzen?

Aber hallo. Dass die Toolverächter gestört sind, das erlebe ich jeden Tag. Da verstecken sie sich hinter dem „Individuals and interactions over processes and tools“ und freuen sich über Stuhlkreise, Sprechbälle und Haftnotizen, die verflixt nochmal nicht an der Wand halten wollen.

Na jetzt reicht es aber langsam. Auf das agile Manifest lasse ich nichts kommen. Diese Werte sind allemal besser als dumm in den Tools rumzuklicken und smile, LOL, *grübel, asap, WTF, LG usw. zu posten. Und vom vielen Monitorglotzen wird man im Übrigen blöd, hab ich gehört.

Verdammt, jetzt haben wir uns doch hinreißen lassen. Wir sollten mal unsere Vorurteile beiseiteschieben und uns nicht von dummen Plattitüden treiben lassen.

Ja Kruzifix, richtig. Dann lass uns doch bei einem Kaffee noch einmal mit der Frage beginnen: Benötigen wir für unsere Kommunikation und Zusammenarbeit, für Transparenz und Wertschätzung und für den Informationsaustausch eigentlich IT-Werkzeuge?

Und diesmal biete ich folgende Regel an: Erst denken, dann sprechen, dann verstehen und dann handeln!

Ja, dass nehme ich gerne an. Dann geht es uns bestimmt so wie unseren Lesern hier.