Die „Motivation für RE und dessen Einführung“ ist laut aktuellen RE-Kompass [http://www.re-kompass.de/fileadmin/project/re-kompass.com/uploads/documents/Ergebnisbericht_RE-Kompass_2013.pdf] die größte Herausforderung im Requirements Engineering (RE). Doch wie können wir dies nicht nur in Greenfield sondern auch in Brownfield-Projekten erreichen?

Brownfield bedeutet, dass in einem Unternehmen schon erste Anstrengungen RE zu verbessern, stattgefunden haben und die Beteiligten damit schon arbeiten. Dagegen gibt es bei Greenfield noch kein klar definiertes RE im Unternehmen.

Ein hilfreiches Konzept ist hier SuRE – Sustainable Requirements Engineering. Dieses hat das nachhaltige und nutzbringende Anwenden sowie das ständige Optimieren von Requirements Engineering in einer Organisation zum Ziel. SuRE setzt hierbei auf eine iterative Vorgehensweise, in der in kleinen Schritten nachhaltig RE eingeführt und etabliert wird. Hierbei werden folgende vier Phasen (siehe folgendes Bild) mehrfach durchlaufen.

sure

Vor allem bei der Etablierung von RE in einem Brownfield-Projekt ist ein SuRE Audit notwendig um den aktuellen Ist-Zustand einer nachhaltigen Etablierung von Requirements Engineering im Unternehmen festzustellen. Offen dabei ist wo die konkreten fachlichen Potentiale hinsichtlich der anforderungsbezogenen Themen liegen. Dafür hat HOOD das HOOD Capability Model (HCM) [http://www.requirements-engineering-checkup.de/hood-capability-model.html], mit dem der Reifegrad von Requirements Engineering in einem Unternehmen identifiziert werden kann und damit konkrete Verbesserungspotentiale im Bereich RE identifiziert werden können. Des Weiteren bietet das HCM ein Rahmenwerk für eine iterative Einführung bzw. Verbesserung von RE in Unternehmen. Auf unterschiedlichen Ebenen werden einzelne Praktiken definiert, die schrittweise zu einem verbesserten Umgang mit Anforderungen in einem Unternehmen führen. Diese Praktiken werden ggf. an die unternehmensspezifischen Erfordernisse adaptiert. Die Ebenen (Getting started, Capable, Expert) sind mit bewährten Praktiken  in der folgenden Zeichnung dargestellt. Dabei unterscheiden wir zunächst die zwei Aspekte Requirements Definition und Requirements Management.

hcm

Nachdem der Ist-Zustand festgestellt worden ist, werden in der Orientierungsphase mittels Pilotprojekten aus realen Entwicklungsprojekten heraus, durch Power User iterativ ein Prozess, Methoden und eine Werkzeugumgebung entwickelt.

Ein entscheidender Erfolgsfaktor hierbei ist, im Rahmen der Orientierungsphase von SuRE den richtigen RE-Scope für die Pilotprojekte zu finden. Hierbei ist das HCM hilfreich. Dieses gibt jedoch keineswegs eine starre Reihenfolge bei den Pilotierungen vor. Vielmehr kann es flexibel an die Gegebenheiten im Unternehmen angepasst werden. Dennoch besteht zwischen den einzelnen Level und deren zugrundeliegenden Praktiken im HCM eine gewisse Abhängigkeit, so dass der Nutzen von fortgeschrittenen Praktiken, wie bspw. Methoden der konzeptuellen Modellierung, erst dann voll zu tragen kommt, wenn die Basis-Praktiken, wie etwa Dokumentationsstandards oder Identifizierbarkeit, beherrscht werden.

Für das initiale Pilotprojekt sollten in der Regel ca. 2-5 Praktiken ausgewählt werden. Dies hängt selbstverständlich von dem identifiziertem Verbesserungspotential und dem aktuellen RE-Reifegrad ab.

Besteht eine Divergenz in verschiedenen Bereichen im Unternehmen hinsichtlich des Reifegrades von RE so ist eine unterschiedliche Auswahl der Praktiken für Ihre Piloten möglich. Empfehlenswert ist hierbei nur, dass eine Evaluierung in mindestens zwei Pilotprojekten stattfindet. Bei einer zeitlichen Überschneidung der Piloten sollte darauf geachtet werden, dass ein Großteil des Erkenntnisgewinnes des vorangegangenen Projektes in den nachfolgenden Piloten berücksichtigt wird.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das HOOD Capability Model durch seine Gliederung in einzelnen Level und den zugrundeliegenden Praktiken eine sehr gute Entscheidungshilfe für das Scoping der Pilotprojekte in SuRE ist und sich beide Methoden ideal in ihrer iterativen Vorgehensweise ergänzen.