In diesem Beitrag möchte ich Sie mit einem wichtigen Teil unseres HOOD SuRE-Konzeptes bekannt machen: Der Ausbildung bzw. dem Coaching von Requirements Enginnering-Inhalten. Grundsätzliche Infos zu SuRE finden Sie in vorangegangen Beiträgen sowie in unserem Leitartikel.

SuRE steht für „Sustainable Requirements Engineering“ und hat zum Ziel, den Prozess der Anforderungsanalyse effizient, passgenau und nachhaltig in die Prozessstruktur eines Unternehmens einzubinden. Wir halten dies für so wichtig, dass die kommende REConf2013 ganz im Zeichen dieser Methode steht. Bei Interesse können Sie sich hier bereits über den Workshop zum Thema informieren.

Der heutige Beitrag soll sich nun genauer mit einem SuRE-Grundpfeiler beschäftigen, der RE-Akademie. Hier wird das gesamte RE-Wissen sowohl der Prozess- wie auch der Technologieebene vermittelt und weitergegeben. Doch wie so oft entscheidet auch hier die  Reihenfolge und Dosis zur richtigen Zeit über den Erfolg eines Rezeptes.

Unser Leitgedanke „helping you to help yourself“ beschreibt dieses Rezept sehr treffend. Tatsächlich steckt nämlich mehr dahinter, als dem Slogan auf den ersten Blick vielleicht anzusehen ist. Seine zentrale Aussage ist genau genommen auf die Zukunft gerichtet, nämlich die Zeit, in der wir als RE-Berater schon nicht mehr vor Ort sind, um Sie effektiv genug unterstützen zu können. Der Slogan thematisiert damit ein zentrales Hilfsprinzip von SuRE, das Sie gegen eine bekannte Unternehmensillusion schützen soll. Die Illusion, dass nach der Einführung eines Requirements Engineering-Vorgehens durch externe Spezialisten Ihr Unternehmen weiterhin intrinsisch motiviert und nach außen erfolgreich am diesem Vorgehen festhält und emsig Projekterfolge verbucht. Dies ist nämlich allzu oft nicht der Fall, denn nur wer seine Mitarbeiter richtig ausbildet, kann RE langfristig und zweckgebunden einsetzen.

Unser Ziel mit SuRE ist es deshalb, zusammen mit Ihnen eine stabile, verlässliche und vor allem positiv empfundene Prozesskultur zu entwickeln, die akzeptierter und gelebter Teil eines perfekt aufeinander abgestimmten Entwicklungszyklus ist. Neben der Unterstützung durch das Management (Management Committment), einer funktionierenden IT-Infrastruktur (Werkzeuge) und dem optimalen Support (Administration, Help Desk, Foren etc.)  kommt der Akademie dabei eine Schlüsselrolle zu. Die Legitimation durch das Management bietet Ihnen alle Vollmachten, notfalls mit Nachdruck den RE-Prozess von oben herab durchzusetzen. Die Akademie jedoch schafft die Ausbildungsvoraussetzungen für Ihre RE-Schützlinge von unten; hier können Sie die Menschen erfolgreich „indoktrinieren“ und durch gute Schulungskonzepte den idealen Nährboden schaffen für ein allgemein akzeptiertes und ausführlich  reflektiertes Requirements Engineering.

Konkret bedeutet dies, dass in Ihren Seminaren und Schulungen nicht einfach von der Kanzel herab gepredigt werden sollte. Der Irrglaube, einen erwachsenen und verantwortungsbewussten Menschen könne man intensiv mit ausgedehnten Theorieeinheiten konfrontieren, ist in vielen Firmen noch weit verbreitet. Schließlich kostet jeder Mitarbeiter, der in „Ausbildung“ ist, Zeit und damit Geld. Doch Erwachsene lernen im Großen und Ganzen nicht anders, als sie das als Kinder auch getan haben. Sie benötigen für alle theoretischen Inhalte stets eine Verknüpfung zu ihrem individuellen Wissen und ihren persönlichen Erfahrungen. Das bedeutet für eine Schulung oder ein Seminar, dass es handlungsorientiert gestaltet sein sollte.

Dies erreichen Sie am besten mit konkreten Übungen aus der Praxiswelt der Schulungsteilnehmer. Übungen haben den großen Vorteil, dass sie selbstgesteuertes Lernen und fremdgesteuertes Lernen in Einklang bringen. Die Ausführung einer Übung bedeutet für den Teilnehmer, den Lernprozess selber steuern zu können. Er ist gezwungen, die zuvor vermittelten theoretischen Erkenntnisse selbstständig und unter veränderten Bedingungen anzuwenden und festigt dadurch sein Verständnis des Lernstoffs. Der Seminarleiter kann in diesen Lernprozess unterstützend eingreifen, indem er die Teilnehmer vor Fehlern warnt, Unklarheiten beseitigt oder Lösungshinweise verrät. Das Lernen verläuft in diesem Fall fremdgesteuert.

Wir haben Ihnen nachfolgend die fünf wichtigsten Aspekte zur Gestaltung eines sinnvollen Schulungskonzeptes zusammengestellt, damit Requirements Engineering positiv und stressfrei „unterrichtet“ werden kann.

  1. Wählen Sie immer den Weg vom Konkreten ins Abstrakte, Beispiele also zuerst und dann erfolgt die Theorie. Im Anschluss sollten Sie das neu erworbene Wissen durch Übungen festigen.
  2. Knüpfen Sie immer erst an den Wissensständen der Schulungsteilnehmer an. Die so genannte „Bushalte-Pädagogik“ besagt, wir holen die Leute dort ab, wo sie stehen. Erst wenn jeder Teilnehmer weiß, wo er sich befindet, kann die Reise ins fachliche „Neuland“ beginnen.
  3. Seminargruppen sind immer streng heterogen, jedes Individuum also ein eigener Lerntyp. Bilden Sie deshalb Schulungsgruppen mit identischen Wissensständen und Erfahrungshintergründen.
  4. Bringen Sie statisches Wissen in Bewegung. Eine einzelne Schulung wird nicht ausreichen, um ein guter Analytiker zu werden. Dieser muss die neuen Inhalte auch aktiv im Tagesgeschäft umsetzen. Dies ist oftmals nicht leicht. Setzen Sie vertiefende Schulungen an und unterstützen Sie die Lehrlinge bei ihrer Arbeit aktiv in Form weiterer Coachings.
  5. Beachten Sie bei der Ausgestaltung Ihrer Schulungskonzepte und Unterlagen die beiden psychologischen Größen Emotion und Motivation. Emotionen wie Angst, Langweile oder Verärgerung wirken sich negativ auf das Lernklima einer Schulung aus. Fehlende Motivation hemmt das selbstgesteuerte Lernverhalten der Teilnehmer.

Motivation und Emotion sind zwei zentrale Größen bei der Vermittlung von Requirement Engineering. Besonders vor dem Hintergrund, dass bei den Mitarbeitern oftmals der Anschein entsteht, durch das neue Vorgehen würde die Arbeitsbelastung eher erhöht, anstatt der eigentliche Aufwand verringert. An dieser Stelle ist es wichtig, dass diese Mitarbeiter Gehör finden und auf Ihre Bedürfnisse eingegangen wird. Deren Motivation wird sich nicht dadurch verbessern, wenn ihnen versprochen wird, dass nach den anfänglichen Zusatzaufwänden alles leichter und einfacher wird.

Bei Berücksichtigung sämtlicher SuRE-Prinzipien sowie der oben genannten Aspekte 1 bis 4 sollten Motivation und Emotion als störende Faktoren bereits minimiert werden. Nichts desto trotz müssen diese Zustände sehr ernst genommen und individuell behandelt werden. Ein einzelner begeisterter Teilnehmer kann einem Seminar zu ganz neuen Höhen verhelfen.