Elektrifizierte Automobil-Antriebe zu spezifizieren ist eine besondere Herausforderung für den Requirements Engineer. Aktuell werden diese für unterschiedliche Technologien entwickelt, z. B. Antriebe für batteriebetriebene Elektrofahrzeuge, Brennstoffzellenfahrzeuge oder Hybridfahrzeuge. Zusätzlich sollen die elektrifizierten Antriebe in verschiedenen Fahrzeugprojekten und in unterschiedlichen Leistungsklassen eingesetzt werden. Man kann sich leicht vorstellen, dass eine große Anzahl an Entwicklungsprojekten die Folge ist.

Der Bereich in dem ich als Requirements Engineer arbeite, ist verantwortlich für die Dimensionierung von Komponenten für elektrifizierte Antriebe. Für diese Komponenten, z. B. E-Maschine, Leistungselektronik und Hochvoltbatterie,  muss sichergestellt werden, dass die Anforderungen, z. B. an die Leistung, die Reichweite oder Lebensdauer, in Abhängigkeit von unterschiedlichen Randbedingungen, z. B. Temperaturen, erfüllt werden.

Die Ausgangssituation zu Beginn meiner Arbeit war, dass man mit einigen Pilotprojekten Erfahrungen bei der Spezifikation der Anforderungen sammeln konnte. Aber für neue Projekte sollte die Qualität der Spezifikationen verbessert werden, und man suchte nach einer Lösung für die Bewältigung der steigenden Projektflut.

Als eine gute Lösung erwies sich die Erstellung eines Anforderungs-Templates. Hierfür wurden die Inhalte aus den Pilotprojekten in ein Dokument übertragen und zusammengefasst. Mit den Erfahrungen der Projektmitarbeiter wurde eine einheitliche Kapitelstruktur erstellt. Die Anforderungen wurden mit der Anwendung von Regeln zur Qualitätsverbesserung überarbeitet. Für Anforderungen die nicht projektübergreifend gültig sind, wurden Mustertexte erstellt und mit einem Befüllungshinweis versehen, so dass diese im konkreten Projekt befüllt werden können. Zusätzlich wurde die Komponentenzugehörigkeit gekennzeichnet, so dass erkennbar ist, ob die Anforderung in dem Anforderungs-Template z. B. für die E-Maschine und/oder Leistungselektronik gültig ist.

Die folgende Abbildung beschreibt das Anforderungs-Template beispielhaft:

Abbildung: Anforderungs-Template – Beispielhafte Darstellung

Insgesamt konnten mit der Erstellung des Anforderungs-Templates viele Ziele erreicht werden:

  • Zu Projektbeginn steht ein abgestimmtes Anforderungs-Template zur Verfügung.
  • Ein hoher Grad an Wiederverwendung von Anforderungen ist gewährleistet.
  • Die Anforderungen können beispielsweise einer Komponente zugewiesen werden (Variantenhandling).
  • Mustertexte und Befüllungshilfen unterstützen die Spezifikation von projektspezifischen Anforderungen.
  • Die Inhalte der Spezifikationen der Projekte sind übergreifend konsistent.
  • Begriffe und Synonyme werden projektübergreifend verwendet und sind in einem Glossar hinterlegt.
  • Mit Hilfe des Anforderungs-Templates können die benötigten Eingangsanforderungen für ein Projekt eingefordert werden (Verwendung als Liste offener Punkte).
  • Ein Review der Spezifikation für das Projekt kann auch auf Basis der Template-Anforderungen durchgeführt werden (Soll-Ist-Vergleich).
  • Alle Projektmitarbeiter sind mit den gleichen Inhalten vertraut und neue Mitarbeiter können bei der Einarbeitung unterstützt werden.
  • Änderungen können zentral im Anforderungs-Template durchgeführt und für die Projekte in Abstimmung ausgerollt werden.
  • Bei Verwendung von mehrsprachigen Spezifikationen erfolgt die Übersetzung einmalig für das Anforderungs-Template.
  • Soll das Anforderungs-Template in ein übergreifendes Dokument, z. B. Komponentenlastenheft oder Systemlastenheft, integriert werden, kann eine definierte Schnittstelle, z. B. anhand von Kapitelüberschriften, festgelegt werden.
  • u. a.

Das Entwicklungsteam ist bereit, um die kommenden Projekte mit Hilfe des Anforderungs-Templates zu meistern!